Piesinger

Großeltern, Eltern und Kinder – drei Generationen unter einem Dach. „Wir leben Gemeinschaft, nach unseren Vorstellungen – konsequent aber nicht dogmatisch und nach außen hin offen.“

Das Haus und der Hektar Grund sind im Eigentum des von der ganzen Familie gegründeten Vereins. Alle Erwachsenen sind im Vorstand und entscheiden gleichberechtigt und einstimmig. Der laufende Kredit wird über die Gemeinschaftskassa abgezahlt. Jeder hat ein lebenslanges Wohnrecht erhalten. Und „jedes künftig hier geborene Familienmitglied bekommt ein lebenslanges Wohnrecht – bedingungslos einen Platz zum Leben in dieser Welt.“

Es gibt kein feststehendes Regelwerk, alles wird anlassbezogen ausgemacht. „Wenn wir etwas machen wollen, wie den Kauf dieses Hauses mit Grundstück hier vor vier Jahren, dann schauen wir uns an wie wir das rechtlich nach unseren Vorstellungen umsetzen können.“

Gewisse Grundeinstellungen und Rahmenbedingungen sind für das spürbar harmonische Zusammenleben Voraussetzung. Vor allem die Abkehr vom Konsum. „Ois geht net!“ Was jeder Mensch wirklich braucht lässt sich nicht kaufen. Deshalb nehmen sie – mit Ausnahme des Kindergeldes – auch keine Sozialleistungen in Anspruch. Es gibt eine Gemeinschaftskassa in die alle Einnahmen gehen und aus der alle Ausgaben (Haushalt, Investitionen etc.) beglichen werden. Gleichzeitig entnimmt jedes Gemeinschaftsmitglied Mittel für sich, größere persönliche Bedürfnisse werden gemeinsam besprochen.

Sie sind aus eigener Erfahrung auch davon überzeugt, dass mehr als drei bis vier Tage auswärts Arbeiten die Harmonie stört, da der Druck und Stress der heutigen Arbeitswelt dann zu sehr in die Gemeinschaft hineingetragen wird. Der Gemüsegarten, die Hühner und Beerensträucher ermöglichen eine weitgehende Selbstversorgung. Der Rest wird bei den Bauern der Umgebung gekauft. Ihr Wald bietet das Holz zum Heizen. Als Tischler machen sie alle Holzarbeiten selbst und in ihrer kleinen Auto-und Metallwerkstatt werden die eigenen Autos repariert. Alles zusammen eine Erlebnis- und Lernwelt zum Angreifen, denn die Kinder lernen zu Haus und legen einmal im Jahr in einer Schule eine Prüfung ab. Diese Entscheidungsfreiheit für Eltern ist im österreichischen Schulgesetz vorgesehen.

Der heutigen Harmonie geht ein längerer, unebener Weg voraus. Der erste Versuch in einer Gemeinschaft zu leben begann vor rund vier Jahrzehnten in einem Vierkanthofprojekt mit ca. 20 anderen Menschen. Dieses hat sich jedoch aufgelöst. Sie mussten weiterziehen und haben darauf vertraut, dass sie das finden, was für sie passt. Religiös sind sie deshalb aber nicht.

„Unsere Gemeinschaft ist offen für jeden, für künftige Wahlverwandte. Wir werben jedoch nicht aktiv, diese tägliche Nähe ist wohl auch nichts für jeden. Doch sind wir davon überzeugt, dass die Menschen, die zusammen leben wollen, auch zu einander finden.“