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Zu Pfingsten durften wir als Impulsgeberin am Symposium von Rückenwind im Waldviertel zeigen wie Genossenschaft und Stiftung ideal zusammen wirken können: für kooperatives Wirtschaften, solidarische Lebensweise und zur Absicherung von Vielfalt.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier unser Pitch – unsere Kurzvorstellung:

Für alles was wir tun wollen brauchen wir einen Ort, einen Ort wo wir es tun können.
Doch Österreich ist aufgeteilt, meist parzelliert in (Privat-) Eigentum. Wenige entscheiden darüber ob und wie sich Viele entfalten dürfen.

Früher war das anders. Früher gab es Allmenden, die gemeinschaftliche Nutzung von Land. Nach miteinander festgelegten Regeln wurden die zur Verfügung stehenden Ressourcen genutzt, erhalten und gepflegt.

Wie können wir die Allmende wiederbeleben?
Indem wir Land mit einer sinnvollen Nutzung verbinden, es aus der Spekulation nehmen und generationsübergreifend absichern.

Das alles kann die Rechtsform Stiftung.

Wir sind dabei die gemeinnützige Munus Stiftung – Boden für gutes Leben zu gründen. Wir schaffen damit ein Werkzeug für alle, um Land für Kooperation und gemeinsinniges Wirtschaften abzusichern.
Wir können damit gemeinsam Allmenden schaffen, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.

Für alle die dort waren vielen Dank für die Inspirationen, Ideen für die nächsten Schritte und Unterstützungsankündigungen.
Herzliches Dankesehr ans Rückenwind und GEA Team für dieses feine Wochenende in Schrems!

Mehr Infos dazu, sind hier zu finden.

Header_Open-2017-London

Kooperation statt Konkurrenz, Gemeinschaft statt Einzelkämpfertum! Wie wir gemeinsam die Zukunft gestalten, unsere Arbeitsbedingungen selbst bestimmen können und wie dafür die Verbindung von OpenSource, Commons und Cooperatives – also Genossenschaften – essentiell ist. Über ihre Einblicke auf der ‚Open:2017 cooperative platforms‘ und die Veränderungen in der Arbeitswelt berichtet Beatrice Stude. Erschienen ist dieser Artikel auch im SOL Magazin im Mai 2017.

Aus der Besetzungsbewegung infolge der Finanzkrise 2008 wuchs die Überzeugung, dass Genossenschaften die digitale Welt brauchen, um überleben und ihre Wirkung entfalten zu können. Die Konferenz Open:2017 cooperative platforms fand Anfang des Jahres an der Goldsmith-Universität in London statt und war die erste Veranstaltung ihrer Art in Europa, um Open Source Software mit Genossenschaften und Allmende zu verbinden. Dabei geht es weder um Technologielösungen, noch wird ein bestimmter Lebensstil propagiert – es geht um das ethische Bekenntnis!

Trebor Scholz, author, co-founder of platform cooperativism and Associate Professor of Culture and Media Studies at New School LANG, New York City started off at Open:2017: „Airbnb, Uber & Co. is capitalism on steroids!“

„Airbnb, Uber & Co. ist Kapitalismus mit Aufputschmitteln!“, eröffnete Trebor Scholz von der New School LANG in New York die Open:2017. Diese Plattformen wollen nur eines: Profit machen. Sie setzen kurzerhand unsere Gesetze außer Kraft, die wir lange gesellschaftlich ausverhandelt und teils erkämpft haben. Indem wir diese Plattformen nutzen, haben wir alle gemeinsam Kapital geschaffen und einige Leute sehr reich gemacht. Dabei haben wir die Kontrolle über unsere Daten, unsere Mitbestimmung der Arbeitsbedingungen und lokale Steuerhoheit abgegeben. Parallel dazu wächst modernes Tagelöhnertum. Laut deutschem Institut für Wirtschaftsforschung arbeiten bereits 1,5 Millionen Menschen in Deutschland in Arbeit auf Abruf. Das heißt: reduzierte Lohnnebenkosten und minimiertes Auslastungsrisiko für die Arbeitgeber, jedoch unkalkulierbares (Lebens-)Modell, finanziell und zeitlich, für die Angestellten. Österreich ist da anders – noch! Hier hat der oberste Gerichtshof die Bedarfsarbeitsverträge, wie sie hierzulande heißen, als sittenwidrig abgestraft, auf Klage der Arbeiterkammer.

Weder Technologie noch Digitalisierung sind das Problem mit Uber, Amazon und Co., sondern deren Geschäftsmodell. Keine Werte, nur profitgetrieben – Gewinnmaximierung Weniger statt Existenzsicherung für viele. Die Gewerkschaften im Vereinigten Königreich kämpfen nur für die Rechte ihrer Mitglieder. Darin liegt ein Teil des Problems. Selbstständige haben im Vereinigten Königreich derzeit keine Lobby. In Österreich gab es Verbesserungen, aber ist es kaum nachvollziehbar, dass die Sozialversicherungsbeiträge für Vielverdiener gedeckelt sind, hingegen Anreize und Entlastung für diejenigen, die weniger verdienen fehlen, wie sie beispielsweise die progressive Einkommenssteuer vorsieht. Ein Blick nach Belgien zeigt, wie sich eine Genossenschaft – SMart – entlang der Bedürfnisse ihrer Mitglieder entwickelte und bei Bedarf als Gewerkschaft auftritt. Beispielsweise hat SMart für ihre Fahrradkuriere bessere Konditionen mit Lieferdiensten wie deliveroo ausverhandelt. SMart hat heute über 75.000 Mitglieder, denen sie die Bürokratie abnimmt. Auf Wunsch stellt SMart die Mitglieder bei sich an und zahlt das Honorar pünktlich aus – unabhängig davon, wann und ob der Auftraggeber zahlt.

Mitgestalten setzt Zugang zu relevanten Informationen voraus; alles andere ist Glauben und weit weg von Selbsthilfe, Selbstgestaltung und Selbstverantwortung – den Grundpfeilern genossenschaftlichen Wirtschaftens. Eigentümerschaft ist der Schlüssel zur Mitbestimmung. Mit genossenschaftlichen Plattformen können wir uns die Entscheidungshoheit zurückholen. Denn der Wandel kommt von den Menschen, nicht von der Regierung. Aber die Regierung kann auf effektive Weise unterstützen.

Eine Allmende, auch Commons genannt, bezeichnet gemeinschaftliches Eigentum – an beispielsweise Land, materiellen Gütern oder auch immateriellen Dingen wie Software – somit die gemeinschaftliche Verwaltung und Nutzung – Exkurs Allmende.

Kooperative Plattformen als Antwort auf Airbnb, Uber & Co.? Im Vereinigten Königreich  gibt es keine Rechtsform für Genossenschaften. Alles kann eine Co-op sein. Was zählt ist das Geschäftsmodell, wie Entscheidungen getroffen und der Gewinn verteilt wird. Was aber ist eine kooperative Plattform? John Hagel III, Berater und Spezialist der Schnittstelle von Geschäftsstrategie und IT, definiert sie so: „Eine genossenschaftliche Plattform ist die Anstrengung, weitgreifend die Bedingungen des Wettbewerbs für einen Marktsektor neu zu definieren, durch eine positive, mobilisierende Botschaft den Nutzen all jenen versprechen, die die neuen Bedingungen übernehmen.“ Die Erschaffung von Allmende auf diesem Wege, in der digitalen und in der realen Welt, ist essentiell für die Gestaltbarkeit unserer Zukunft. Denn Allmende sind menschliche Regelwerke, die durch Kommunikation entstehen. Menschen kommunizieren miteinander über die Nutzung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, um sie zu erhalten, wie Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elenor Ostrom belegte.

John Hagel III, author and former consultant who specializes in the intersection of business strategy and information technology, defined cooperative platforms like this:  „A platform Co-op is an effort to broadly redefine the terms of competition for a market sector through a positive, galvanising message that promises benefits to all who adopt the new terms.“

Die Genossenschaftsbewegung ist da. 250 Millionen Menschen sind in Genossenschaften tätig, weltweit. 2,6 Billionen Euro Umsatz werden durch die größten 300 Co-ops generiert. Viele weitere sind erfolgreich, wie die Phone Coop UK, die die Open:2017 sponserte. Oder wie Stocksy, eine Plattform für Fotografie, die zeigte, dass Profitplattformen genossenschaftlich umgesetzt werden können. Stocksy begann mit 1,4 Millionen Euro und der Kompetenz der Menschen, die von istock wechselten. Nach einem Jahr arbeiteten sie kostendeckend, heute ist Stocksy 8,3 Millionen Euro wert und in Eigentümerschaft der Kreativen selbst.

Eine Co-op ist eine Kooperative ist gleich eine Genossenschaft. Nur dass Genossenschaft in Österreich eine Rechtsform ist, die dem Genossenschaftsgesetz unterliegt. Die Genossenschaft ist DIE Rechtsform für kooperatives Wirtschaften, grundsätzlich ist es aber auch mit anderen Rechtsformen möglich.

Co-ops könnten den Mediensektor erobern. Die Diskussion um Twitter – #wearetwitter – zeigt das Potenzial für genossenschaftliche Eigentümerschaft der NutzerInnen von sozialen Medien. Unzufriedenheit mit der BBC, als nicht vielfältig genug und zu nah an der Regierung, war Ausgang für die Initiative ProgressiveTV, einer nationalen Fernseh-Co-op. Eine weitere ist Radio re-publika, die ernsthafte Nachrichten per App und Podcasts anbieten will: „Du bezahlst, wir berichten. Sonst sind wir niemandem verpflichtet.“ Unabhängige Finanzierung schafft unabhängige Nachrichten. Dies wird immer wichtiger in der Zeit in der wir leben, wie es schon sehr trefflich John Berger, Schriftsteller, Booker-Prize-Gewinner und Kunstkritiker, formulierte: „In der totalitären globalen Ordnung des spekulativen Finanzkapialismus, unter der wir leben, bombardieren uns die Medien unablässig mit Informationen, doch sind diese Informationen meistens eine geplante Ablenkung, die uns davon Abhalten unsere Aufmerksamkeit auf das zu richten was wahr, wichtig und dringlich ist.“

John Berger, English art critic, novelist, painter and poet, as well as Booker Prize Winner, noted: „In the totalitarian global-order of financial speculative capitalism under which we are living, the media ceaselessly bombard us with information, yet this information is mostly a planned diversion, distracting our attention from what is true, essential and urgent.“

Viele weitere Beispiele existieren: wie Fairmondo, ein genossenschaftlicher Marktplatz für verantwortungsbewussten Konsum und Tauschen, mit der Vision relevant für Amazon zu werden. Wie dem lokalen Pendant zu Uber in Denver, wo die Taxler sich genossenschaftlich organisiert haben und 37 Prozent Marktanteil halten. Oder beim Open Food Network UK, die die Plattform-Lösungen von Australien übernommen haben. Infolge ihrer hohen Interoperabilität, die sogar die Bestellung von Zitrusfrüchten oder Avocados aus Spanien leicht abwickeln lässt, nutzen diese auch Foodcoops in Frankreich und Skandinavien.

Die Soft- und Hardware gemeinschaftlicher Organisation kostet. Update, Betreuung, Support – wir zahlen dafür. Indirekt wenn wir beispielsweise Google-Spreadsheets nutzen, da unsere Daten verwertet werden. Oder direkt, bestenfalls bekennen wir uns zu freier Software und tragen gemeinschaftlich die anfallenden Kosten und zahlen die notwendige Arbeitsleistung. So verbleibt die Eigentümerschaft bei uns und damit die Mitbestimmung.

Und Österreich? Es ist einiges in Bewegung: SMart.At – Büro für KünstlerInnen und Kreative, Rückenwind – Förderungs- und Revisionsverband gemeinwohlorientierter Genossenschaften, CrowdCoopFunding – die genossenschaftliche Form des Crowdfundings, die WoGen – Wohnprojekte-Genossenschaft und die Munus Stiftung – Boden für gutes Leben zur Absicherung von Allmende sind derzeit in Gründung, im Aufbau oder schon am Wachsen.

Trebor Scholz, author, co-founder of platform cooperativism and Associate Professor of Culture and Media Studies at New School LANG, New York City, said: „We have to cooperate to become relevant!“

Das alles bewegt sich noch auf einem sehr niedrigen Niveau. „Wir müssen kooperieren, um relevant zu werden!“, schließt Trebor Scholz, Mitbegründer des neuen Netzwerks platform cooperativism, das einen kostenlosen Onlinekurs plant: genossenschaftliches Lernen für alle. Die Zukunft lautet Vielfalt und Kooperation, ein Bekenntnis zu Open Source Software und Commons, sowie eine Ko-existenz mit der Investoren-Welt. Es ist keine Frage der Werkzeuge, es ist eine Frage der Haltung. Wir alle treffen mit unserem Geld eine Wahl – geben wir es in Genossenschaften und kooperativen Gemeinschaften aus.

Header_Standard_Tom-Avermaete

Die Stadt als Gemeingut: Stadtbürger wacht auf! – so der Aufruf von Tom Avermaete im derStandard.at Mitte Jänner. Ein Kommentar von Beatrice Stude.

Professor Avermaetes Auftrag ist die Erforschung visionärer Formen von Stadt – Stadtkultur und öffentlichem Raum: „Die Stadt als Gemeingut versteht sich mehr als Bottom-up-Prozess. In den Niederlanden gibt es einige solcher Projekte, die von Bürgern initiiert wurden und in denen der Staat nur mehr eine begleitende Funktion hat.“ Er ist für ein Jahr Stiftungsprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.

Die Online-Kommentare zum Interview zeigen noch Bedarf für eine Nachschärfung der Definition(en) von Gemeingut und Commons. Commons, ident mit Allmende, stellt bezogen auf Land die Alternative zu Privateigentum dar und bedeutet einen anderen Umgang damit, wie Margit Fischer im Exkurs Allmende darlegt:

Niemand kann mir verbieten, unendlich viel Luft zu verbrauchen. Die Luft ist ein Gemeingut mit dem Charakter der Nicht-Ausschließbarkeit, ein reines öffentliches Gut. Mit Land verhält es sich anders, denn Land kann aufgeteilt, parzelliert und eingezäunt werden, kann also als Privateigentum oder als Gemeineigentum verwaltet werden. Ein solches Gemeingut mit Ausschließbarkeit wird auch als Allmende oder Commons bezeichnet. Es „gehört“ einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam über den Umgang mit ihrem Gut entscheiden. Treten Probleme der Übernutzung oder Verschmutzung auf, wird seit dem Klassiker „Die Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin die Privatisierung empfohlen. Dass diese neoliberale Folgerung angesichts massiver Umweltprobleme nicht mehr ganz so schlüssig klingt, wirft die Frage nach Alternativen auf.

Sind mehrere AkteurInnen an der Verwaltung einer Ressource beteiligt, dann werden kollektive Interessen eher berücksichtigt, weil unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kurzfristige Profitinteressen würden wenig Sinn machen, wenn die Ausbeutung einer begrenzten Fläche von Grund und Boden die Zerstörung der eigenen Existenzgrundlage bedeutet. Nur in einer Verwertungslogik, in der alle Lebensbereiche zu Waren degradiert werden, kann die Zerstörung der Umwelt als effizient gelten. Ressourcen gemeinsam als Allmende zu verwalten könnte Prinzipien wie Verantwortung für und Rücksicht gegenüber so wichtigen Ressourcen wie Grund und Boden wiederbeleben. [Auszüge aus: Exkurs Allmende]

Stadt entsteht, Stadt ist nie fertig. Eine gemeinschaftliche Verwaltung als bottom-up wäre somit die Fortsetzung und Erweiterung der zahlreichen Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger, die derzeit fast ausschließlich als top-down in der Konzeption und Planung vorgesehen sind. Die Schaffung von Commons stünde damit für die ganzheitliche Beteiligung und Übergabe als auch Annahme der Verantwortung. Kurz gesagt: Das wäre sehr begrüßenswert!

Der öffentliche Raum erhält hier eine Sonderstellung, da dieser allen Menschen zugänglich sein sollte! Öffentlicher Raum ist in erster Linie Begegnungsraum, der die Funktionen als Treffpunkt, für Austausch und zur Erholung inne hat. Doch werfen die teils diametralen Nutzungsansprüche Fragen auf: Gibt es einen Unterschied zwischen Verweilen und Herumlungern? Wie weit dürfen private Interessen den öffentlichen Raum besetzen? Es braucht Regeln, damit sich alle wohl fühlen und alle Platz haben. Straßen- und Verkehrsraum ist auch öffentlicher Raum. Die strikte Zuteilung der Flächen erzeugt oft Exklusivität: in erster Linie für Menschen mit Automobil. Wie sind lokale Interessen der Menschen an die Aufenthaltsqualität ihres direkten Lebensumfelds mit übergeordneten Mobilitätsinteressen auszuverhandeln und auszubalancieren? Wie ist den Folgen der aktuellen Aufteilung, des hohen Anteils an Straßenfläche für motorisierten Verkehr, vor allem im Hinblick auf die Qualität des Gemeingutes Luft zu begegnen?

Die im Interview angeführten Beispiele aus den Niederlanden und andernorts sind nachahmenswert und verdienen Weiterentwicklung! Einer Aussage von Prof. Avermaete ist allerdings zu widersprechen: „Ich sehe das Gemeingut auch nicht als Gegensatz zum Wohlfahrtsstaat oder zu den Märkten. Ich bin ja kein Antikapitalist!“

Der Kapitalismus basiert auf Privateigentum – an Produktionsmitteln oder Land – und konzentriert damit weitgehende Entscheidungs- und Gestaltungshoheit bei wenigen Menschen. Alleiniges Ziel des Kapitalismus ist Gewinnmaximierung, die Akkumulation von Kapital am freien Markt. Das Wirtschaften der Menschen zur Existenzsicherung ist davon klar abzugrenzen und hiermit und nachfolgend nicht umfasst.

Umgelegt auf die Stadt ist der Kapitalismus Antreiber von Gentrifizierungsprozessen. Von Verdrängung. So sind Initiativen meist Pioniere und engagieren sich in unattraktiven Stadtteilen – beleben diese. Sind sie in ihrem Tun erfolgreich, ziehen sie Investoren an. Die Folge: Die Mieten und Grundstückspreise steigen, und die Pioniere können sich das Leben dort nicht mehr leisten und werden vertrieben. Ein bekanntes positives Beispiel dafür ist die Sargfabrik, die als Grundstückseigentümerin abgesichert ist, jedoch infolge der Gentrifizierung ihre Erweiterung im Umfeld erschwert hat.

Der Erfolg der Sargfabrik ist auch gleichzeitig ihr eigener Feind. Gentrifizierung, Verdrängungsprozesse zulasten finanzschwacher Bevölkerungsschichten wurden ausgelöst. Oder anders gesagt: Die Belebung des Grätzels hat die Grundstückspreise im Umfeld zusätzlich zu den generell steigenden Grundstückskosten in Wien steigen lassen[Auszug aus: Sargfabrik – integrativ leben]

Dies zeigt, dass sich der Kapitalismus jede Art von Commons zunutze machen kann. Der Kapitalismus selbst jedoch keine Vorteile für Commons bereit hält. Vielmehr sind die Auswüchse des Kapitalismus der jüngeren Vergangenheit, und dessen negativen Folgen für die meisten Menschen, als Antreiber der steigenden Anzahl von Initiativen für Commons zu verstehen.

Mit der gemeinnützigen Munus Stiftung – Allmende für gutes Leben wird ein Werkzeug und Angebot für alle ins Leben gerufen, um Grundstücke aus der Spekulation zu nehmen und für NutzerInnengemeinschaften abzusichern. Es werden Commons geschaffen.

Header_Land-Forum_Rueckblick

Die Konzentration von Vermögen und Grundbesitz in den Händen Weniger ist ein weltweiter Trend und schreitet auch in Österreich munter voran. Was den Rückgang an landwirtschaftlichen Flächen betrifft, ist Österreich mit 22 Hektar pro Tag sogar Spitzenreiter in Europa. Genug Gründe, um aktiv zu werden.

Am 25. Und 26. November fand in Wien das erste österreichweite Land-Forum statt unter dem Motto „Böden aufbrechen!“. Als Bild zu dieser Metapher beschreibt Maria Vogt von der ÖBV den Boden als sehr lebendig und vielfältig, während die Eigentumsstrukturen darauf extrem starr sind und nicht mehr funktionieren. Um darauf aufmerksam zu machen haben FIAN, ÖBV Via Campesina, das Netzwerk für Existenzgründung in der Landwirtschaft (NEL) und RASENNA – Boden mit Zukunft, dieses Land-Forum ins Leben gerufen. Die Idee dazu entstand bereits beim Treffen der österreichischen Bewegung für Ernährungssouveränität 2015 in Villach.

Zum einen ist es wichtig, ein Bewusstsein für diese Entwicklungen zu schaffen, die zwar vor unser aller Augen ablaufen, aber trotzdem nur schwer greifbar sind. Daten über Eigentumsverhältnisse zu erhalten ist ein mühsames Unterfangen, für Europa hat das Transnational Institute (TNI) mit Sylvia Kay großartige Arbeit geleistet. Ihre Forschungsergebnisse sind gut aufgearbeitet auf ihrer Website abrufbar. Die FAO-Leitlinien bieten eine Handlungsanleitung für Staaten und Zivilgesellschaft, wie die Verwaltung von Land auf Basis der Menschenrechte verbessert werden kann. Für Brigitte Reisenberger von FIAN können diese Leitlinien ein Türöffner sein, um die Landfrage in Österreich und Europa zu diskutieren.

Neben der politischen Arbeit auf EU-Ebene und der Forschung für ein verstärktes Problembewusstsein ist es zum anderen wichtig, konkrete Alternativen zu leben. Jene Menschen, die vom Zugang zu Land ausgeschlossen werden, müssen Möglichkeiten und Werkzeuge erarbeiten, um  zu ihrem Recht auf Land zu kommen. Terre de Liens in Frankreich gehen diesen Weg bereits sehr erfolgreich, die Ökonauten eG aus Berlin-Brandenburg haben bereits ein erstes Projekt, das Netzwerk für Existenzgründung in der Landwirtschaft beschäftigt sich erstmals in Österreich mit außerfamiliärer Hofübergabe und Rasenna, tja dazu gibt es bald viele tolle Neuigkeiten! Alle diese Initiativen folgen der Idee, Grund und Boden als Commons zu organisieren, vor dem Einfluss von Profitinteressen zu schützen und damit das Land zugänglich für echte Bedürfnisse zu halten.

Ein erster Schritt ist getan, wir haben uns mit Infos versorgt und ausgetauscht, die Böden ordentlich gelockert – aber das ist erst der Anfang!  Eine ausführliche Dokumentation über das Land-Forum mit den wichtigsten Statements der TeilnehmerInnen und Initiativen wird es im Jänner geben.

 

FAQ Projektbegleitung

In einem Interview mit Hannes Zagar werden die wichtigsten und häufigsten Fragen in Bezug auf die Partnerschaft von RASENNA mit Projektgruppen und GrundstückseiegntümerInnen erörtert.

Welchen Projekten möchte RASENNA eine Partnerin sein?

Wenn wir von Projekten sprechen, meinen wir gemeinschaftliche Projekte. Es gibt immer mehr Leute, die heute selbst anpacken und mitgestalten wollen, statt nur zu konsumieren, was angeboten wird. Und die sich dafür mit Gleichgesinnten zusammenfinden.

Und wenn wir von Projekten sprechen, dann meinen wir solche, die für ihre Umsetzung Grund und Boden erwerben oder nutzen. Egal ob darauf ein Wohnprojekt entsteht, eine Landwirtschaft, ein Kultur- oder Sozialzentrum oder vieles mehr.

Warum stellt ihr bei RASENNA die gemeinschaftliche Nutzung in den Mittelpunkt?

Die gemeinschaftliche Nutzung von Grund und Boden war von je her eine bekannte und sehr erfolgreiche Methode, um der Gemeinschaft Zugang und Nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Land nicht „übernutzt“ wird. Über viele Jahrzehnte sind in unterschiedlichsten Teilen der Welt Landstriche von Gemeinschaften genutzt und gleichzeitig auch gepflegt worden (siehe auch unseren Artikel zu Allmende/Commons).

Erst mit der Durchsetzung des Eigentums an Grund und Boden ist diese gemeinschaftliche Nutzung verdrängt worden. Es gibt natürlich immer noch eine Reihe von EigentümerInnen, die ihre Grundstücke nutzen und pflegen, also sorgsam damit umgehen. Dazu gehören mit Sicherheit alle gemeinschaftlichen Projekte.

Wo seht ihr denn die Problematik, wenn die Nutzerin auch gleichzeitig die Eigentümerin ist?

Ein wesentliches Risiko des Eigentums ist die potentielle Möglichkeit des Verkaufs. Wir sprechen hier bewusst von der potentiellen Möglichkeit, weil wir nicht davon ausgehen, dass Gemeinschaften IHREN Grund verkaufen wollen – die Möglichkeit aber gibt es. Diese Möglichkeit kann durch Druck von Innen oder auch von Außen zu einer realen Möglichkeit werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind. So könnten beispielsweise die Gläubiger kommen und den Grund wollen. In den alten Gemeinschaften gab es diese Möglichkeit nicht. Der Grund war nicht im Eigentum, konnte also weder belastet noch verkauft werden.

RASENNA schaltet diese Möglichkeit mit der Rechtskonstruktion der gemeinnützigen Stiftung aus. Die Gemeinschaftsprojekte sind tatsächlich nicht EigentümerIn, es gibt also keine reale Möglichkeit des Verkaufs oder der Belehnung bzw. Belastung mit Krediten. Belehnt werden können nur die Gebäude auf dem Grundstück. Damit können keine Begehrlichkeiten für den Grund und Boden entstehen.

Nun könnte doch jedes Projekt seine eigene gemeinnützige Stiftung gründen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Jedoch ist die Gründung und der Betrieb einer gemeinnützigen Stiftung mit Aufwand verbunden. Auf viele Schultern aufgeteilt, ist es weitaus leichter und in sich selbst ein begleitendes generationsübergreifendes Projekt für Gemeinschaftsprojekte. Daher verstehen wir die gemeinnützige Stiftung RASENNA als Werkzeug, dass wir zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen wollen.

Ihr wollt also Projekte unterstützen – was ist euer Anliegen dahinter?

Uns geht es AUCH um das Sichtbarmachen nach außen. Es geht darum ein Signal zu setzen, über das eigene Projekt hinaus zu zeigen, dass es auch anders geht: Ohne Eigentum an Grund und Boden, ohne Rendite für Boden oder allfällige Spekulation mit einer Wertsteigerung. Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, dass dieses Signal über das eigene Projekte hinausgeht, dass es also so etwas wie eine gemeinsame Plattform gibt, die zeigt, dass Nutzung und Pflege von Grund und Boden eine gute Alternative zu Rendite und Spekulation sind. Denn Grund und Boden ist eine endliche Ressource – unsere Lebensgrundlage – und keine Ware für den freien Markt. Dieses Sichtbarmachen sehen wir für RASENNA als eine ganz wesentliche Aufgabe an. Diese Aufgabe kann RASENNA für alle besser erfüllen, als wenn jedes Projekt für sich Gemeinschaftseigentümer ist oder womöglich eine eigene projektbezogene Stiftung zur Absicherung gründet.

Was passiert denn, wenn sich die Nutzergruppe verändert oder gar auflöst?

Zu Beginn ist es wohl für die meisten unvorstellbar, dass sich die Projektgruppe auflösen könnte oder auch nur stark verändert. Daher ist das oft ein verdrängter und damit vernachlässigter Faktor und der Umgang damit trifft die Gruppe dann meist unvorbereitet.

Wenn im Laufe eines Projektes neue Mitglieder hinzukommen, frühere weiterziehen oder gar ein Generationswechsel eintritt, kann es passieren, dass die ursprünglichen Ideen aus dem Fokus geraten und Neues an deren Stelle tritt. Das kann durchaus gut sein und eine Befruchtung bringen, doch manche Werte wollen bewahrt bleiben und vor unbedachten Veränderungen geschützt sein. RASENNA kann die Bewahrung dieser Werte für Gruppen übernehmen, wie wir auch die Wahrung der Nutzungsidee der ursprünglichen EigentümerInnen übernehmen können. RASENNA versteht sich als Begleiterin, die für die erforderliche Kontinuität Sorge trägt. Und damit auch bei dem Wunsch nach Auflösung einer Gruppe eintritt und eine passende Nachfolgergruppe für die Nutzung des Grundstücks und dessen Pflege findet.

Wir bei RASENNA setzen all unsere Kenntnisse, Kompetenzen und Kontakte ein, um euch bei der Umsetzung eurer Ideen zu unterstützen, weil RASENNA davon überzeugt ist, dass der Weg zu einem sorgsamen Umgang mit Land nur über Gemeinschaften führen kann – zu einem Boden mit Zukunft.

In welchem Fall können Menschen euch mit ihren Ideen und Vorhaben anrufen?

Wir freuen uns über jeden Kontakt von Projektgruppen und GrundstückseigentümerInnen. Wir setzen uns gern mit dem jeweiligen Anliegen auseinander – unterstützend, begleitend und kooperierend – wenn es uns gemeinsam einem Boden mit Zukunft näher bringt.


Unser Zuständiger für Projektbegleitung, Hannes Žagar, freut sich darauf, von Dir und Deinem Projekt zu hören.

Boden1

Die Allmende ist eine Rechtsform gemeinschaftlichen Eigentums. Die Begriffe Allmende, Commons, Gemeineigentum oder Gemeingut mit Ausschließbarkeitsfunktion definieren Güter, die von einer Gemeinschaft verwaltet und genutzt werden.
Die Stiftung RASENNA ist zwar Eigentümerin von Grund und Boden, hat aber selbst keine EigentümerInnen. Die Stiftung RASENNA würde an die Stelle der Eigentümerin treten und mit Baurechts- und Pachtvertrag einer Personengruppe die eigenverantwortliche Gestaltung sichern. Somit wird der Grund und Boden der Stiftung zur Allmende.

Im Jahr 2009 erhielt Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis für die Widerlegung der Theorie eines egoistischen, alle Gemeingüter zerstörenden homo oeconomicus: Ostrom konnte zeigen, dass Allmenden oder Commons nicht einfach Dinge, sondern menschliche Regelwerke sind, die durch Kommunikation entstehen. Menschen kommunizieren miteinander über die Nutzung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, um sie zu erhalten. Die komplexe menschliche Gesellschaft selbst konnte nur aus dieser Fähigkeit heraus entstehen. (Helfrich 2012: 159)

Niemand kann mir verbieten, unendlich viel Luft zu verbrauchen. Die Luft ist ein Gemeingut mit dem Charakter der Nicht-Ausschließbarkeit, ein reines öffentliches Gut. Mit Land verhält es sich anders, denn Land kann aufgeteilt, parzelliert und eingezäunt werden, kann also als Privateigentum oder als Gemeineigentum verwaltet werden. Ein solches Gemeingut mit Ausschließbarkeit wird auch als Allmende oder Commons bezeichnet. Es „gehört“ einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam über den Umgang mit ihrem Gut entscheiden. Treten Probleme der Übernutzung oder Verschmutzung auf, wird seit dem Klassiker „Die Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin die Privatisierung empfohlen. Dass diese neoliberale Folgerung angesichts massiver Umweltprobleme nicht mehr ganz so schlüssig klingt, wirft die Frage nach Alternativen auf.

Die Allmende ist eben kein rechtsfreier Raum ohne Regeln, in den jedeR eintreten darf. Wird Land als Allmende verwaltet, wird seine Nutzung eher nach dem Wohl der gesamten beteiligten Gemeinschaft und nicht nach der effizientesten Generierung von Profit ausgerichtet. Der Zugang zu Land wurde immer schon geregelt, nur die Rechtsformen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Große Landflächen wurden bis zur Einhegungsbewegung ab dem 17. Jahrhundert in Europa oft als Allmende verwaltet. Nach der Untersuchung jahrhundertealter sowie neuer Allmenden konnte Ostrom einige Prinzipien funktionierender Allmende-Institutionen ableiten (Exner 2012: 28):

  1. Klar definierte Grenzen der Nutzungsberechtigten und der Ressource
  2. Die Bereitstellungs- und Aneignungsregeln müssen lokalen Bedingungen angepasst sein
  3. Instrumente für kollektive Entscheidungen – die meisten Personen, die von den Regeln betroffen sind, können über deren Änderung mitbestimmen.
  4. Überwachung durch die AneignerInnen selbst oder durch von diesen bevollmächtigte Personen
  5. Abgestufte Sanktionen, die durch die Gruppe oder bevollmächtigte Personen vollzogen werden
  6. Konfliktlösungsmechanismen mit raschem und kostengünstigem Zugang
  7. Minimale Anerkennung des Organisationsrechtes – die Allmende wird von den staatlichen Behörden respektiert

Sind mehrere AkteurInnen an der Verwaltung einer Ressource beteiligt, dann werden kollektive Interessen eher berücksichtigt, weil unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kurzfristige Profitinteressen würden wenig Sinn machen, wenn die Ausbeutung einer begrenzten Fläche von Grund und Boden die Zerstörung der eigenen Existenzgrundlage bedeutet. Nur in einer Verwertungslogik, in der alle Lebensbereiche zu Waren degradiert werden, kann die Zerstörung der Umwelt als effizient gelten. Ressourcen gemeinsam als Allmende zu verwalten könnte Prinzipien wie Verantwortung für und Rücksicht gegenüber so wichtigen Ressourcen wie Grund und Boden wiederbeleben.

 


 

Zum Nachlesen:

Helfrich, Silke und Heinrich-Böll-Stiftung (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Transcript Verlag, Bielefeld

Exner, Andreas/Kratzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie und Commons. Reihe kritik und utopie, Mandelbaum Verlag, Wien