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Ende März wurde die neue Initiative Ouvertura Interessierten vorgestellt: das Konzept, bereits Geleistetes und eine kleine Vorschau auf das, was kommen mag. Ein erstes spannendes Erntejahr steht bevor! Eine Reportage von Stéphanie Krischel.

Was passiert, wenn landwirtschaftsbegeisterte Freigeister durch zufällige Umstände für längere Zeit ihre kreativen Köpfe zusammenstecken? Es gedeiht in detaillierter, zweijähriger, ehrenamtlicher Planung die Initiative Ouvertura: Ein neues Projekt des solidarischen Landwirtschaftens, eine neue CSA (Community Supported Agriculture). Da wären ein Elektroniker, eine Permakulturistin, eine Nutztierwissenschaftlerin, ein Gärtner, ein Physiker, eine Sozialwissenschaftlerin und eine Musikerin – soweit das aktuelle Kernteam. Starke Hände im erweiterten Helfer*innenkreis gibt es noch mehr.

Das Prinzip von Ouvertura ist ebenso einfach wie genial. Produzent*innen und Konsument*innen machen sich buchstäblich gemeinsam die Hände schmutzig und profitieren von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Weg vom Produzieren hinter geschlossenem Hoftor. Unkrautzupfen, Bäume pflanzen, Beete anlegen, Workshops, Ernten oder Sammeln von Rezeptideen: Die Konsument*innen sind willkommen am Acker und Teil des Feld- und Verarbeitungsgeschehens. In der Praxis bereits bewährt hat sich das Konzept bei der CSA Gela (steht für Gemeinsam Landwirtschaften) Ochsenherz, bestehend aus dem Gärtnerhof und dem Verein der Ernteteiler*innen. Von Gänserndorf aus werden seit 2011 Ernteteiler*innen, sprich Verbraucher*innen, vorwiegend mit Gemüse und Kräutern versorgt. Das aktuelle Vorhaben von Ouvertura ist stark angelehnt an das erfahrene Tun von Gela Ochsenherz, durch welche sich das Ouvertura-Team auch gefunden hat. Durch Pilze, Obst, Nüsse, Getreide, Eier und Verarbeitungsprodukte wie Säfte, Marmeladen und Chutneys von Ouvertura in Moosbrunn wird die Produktpalette der solidarisch erwirtschafteten Erzeugnisse im Großraum Wien nun erweitert.

Die zirka 12 Hektar Feldfläche, Obstgarten und Pilzbeet liegen etwa 40 Minuten von Wien entfernt und sind gut mit Zug und Drahtesel zu erreichen. Bei Ouvertura gibt es keine Standarderntemengen Woche für Woche nach Wunschliste, sondern das, was Boden, Strauch und Baum gerade liefern, wird gerecht unter den Mitgliedern aufgeteilt. Hat Petrus länger schlechte Laune oder toben sich die Wühlmäuse so richtig aus, so erreicht auch mal eine Süßkartoffel weniger die Konsument*innen – schließlich sind diese bewusst  „Ernteteiler*innen“. Dito umgekehrt: Gibt es eine Kultur „en masse“, so quillt die Wochenportion auch mal gern über – aber nicht auf Knopfdruck, Natur eben. Jeden Dienstag heuer ab Ende Mai, in den Folgejahren bereits ab Februar, werden die zusammengestellten Erntekisten zu den Abholstationen befördert. Hierzu gehören Geschäfte, Lokale oder Lagerräume in Wien und Gänserndorf. Weitere Verteilerstellen in der Region sind im Entstehen.

Neben der Gemeinschaftsarbeit im Freiland ist die solidarische Finanzierung ein wichtiger Grundgedanke des Projektes und jeder CSA –  die unterschiedlich stark gefüllten Geldbörsen der Ernteteiler*innen sollen dem Willen und dem Bewusstsein, sich die wertvollen Nahrungsmittel zum Leben leisten zu können, nicht im Wege stehen. „Es geht nicht darum, was einzelne Ernteteiler*innen zahlen, sondern um das, was wir gemeinsam beitragen können“, so ein Gründungsmitglied von Ouvertura. Zur Orientierung gibt es einen vorkalkulierten Richtwert: Er setzt sich aus dem benötigten Budget für die Bewirtschaftung zusammen, geteilt durch die Anzahl der zu vergebenden Ernteanteile. Es liegt jedoch im Ermessen der Ernteteiler*innen, ob sie mehr oder weniger beisteuern können. Und das soll funktionieren? Ja, tut es! Die Mitarbeiter*innen und Ernteteiler*innen in Gänserndorf arbeiten bereits erfolgreich seit sechs Jahren nach diesem Prinzip. Wohlgemerkt: gewinnorientiert ist das Ganze nicht, kostendeckend und damit selbsttragend ja.

Schon mal was vom Taubenblauen Austernseitling, der Dalmatinerbohne oder der Böhmischen Nacktgerste gehört? Vielfalt und regionale, dem Standort angepasste Sorten sind auch ein fixer Bestandteil der Philosophie des „solidarischen Landwirtschaftens“. So auch die Bewirtschaftungsform: biologisch, in möglichst geschlossenen Kreisläufen. Für das Ouvertura-Team von Moosbrunn stand dies von Anfang an fest: Verantwortung für die Produktion von Lebensmitteln zu übernehmen, der genormten Standardgurke den Rücken zukehren und abseits der Supermarktmonotonie sich für unser Essen zu engagieren. Groß- und vielartig.

Heuer trägt das ambitionierte Projekt zum ersten Mal Früchte, im wahrsten Sinne des Wortes, und Getreide und Pilze, um genauer zu sein. Gerste und Weizen sind bereits ausgesät, 20 Raummeter Baumstämme wurden im vergangenen Jahr mit diversen Pilzkulturen beimpft. Die ersten Obstbäume wurden gepflanzt – Kriecherl und Zwetschken im Herbst letzten Jahres, Walnussbäume, Kaki und Feigen heuer im Frühling. In den Sä- beziehungsweise Pflanzstartlöchern für April/Mai stehen Trockenbohnen, Mais, Hirse, Amaranth und Süßkartoffeln. Obst und Beeren aus eigenem Anbau landen erst in den Kisteln, wenn die Bäume und Sträucher ausreichend tragen. Zwischenzeitlich kooperiert Ouvertura mit Obstbaumbesitzer*innen, die ihre Bäume nicht mehr beernten – auch für die Produktion von Apfelsaft. Die Hühner sind gedanklich im Anflug, wann genau das eierlegende Federvieh fix in die bereits eingezäunten Obstgärten einzieht, steht noch nicht fest. Eins nach dem anderen.
Ein baldiger zukunftsweisender Schritt wird die teilweise Überführung der Grundstücke in die Munus Stiftung – Boden für gutes Leben (in Gründung) sein. Zur dauerhaften Absicherung der zukünftigen Bewirtschaftung im solidarischen Sinne und auch als eine Art „Bodenschutz“. Schutz vor Bebauung oder intensivem Anbau, beispielsweise.

Die Spannung im ersten Ertragsjahr ist natürlich besonders groß, die Motivation und Begeisterung der Wahllandwirt*innen von Ouvertura aber genauso. Die Ideenkiste für die Zukunft ist bereits jetzt prall gefüllt: Da wären das Brotbacken, die Aufstriche, der Spargel- und Reisanbau sowie der Honig von einem Kooperationsimker. In freudiger Erwartung was die Zukunft, der Standort und die verfügbare Zeitkapazität bringen mögen. Die vorgesehenen 80 Pionierernteanteile sind zur Hälfte vergeben – für das Debütjahr von Bohne, Pilz & Co. nicht schlecht. Dennoch heißt es: aktiv werden, weitersagen, Kontakt aufnehmen, Bewusstsein schaffen sowie Verantwortung übernehmen. Also Pionierernteteiler*in werden, den Spaten schwingen oder Baumpflege- beziehungsweise Pflanzpatenschaften übernehmen. Spenden ist ebenso erlaubt. Möglichkeiten über Möglichkeiten!

Wer sich übrigens fragt, wieso denn ausgerechnet der Name „Ouvertura“, der bekommt gleich mehrere Antworten: Ganz am Anfang stand die Idee, Eier zu produzieren. „Ou“ wie „Ei“ auf rumänisch, der Muttersprache einer der Initiatoren. Dann lag, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, der Anbau von eigenem Getreide auf der Hand. Als Strohverwertungsmöglichkeit die Pilzzucht – und die Idee Ei-Getreide-Pilz war geboren. Außerdem „Ouvert“ (frz.) – offen für neue Ideen, für Zusammenarbeit, Mitarbeit, Solidarität. „Verdura“ – Gemüse (ital.), „vert“ – grün (frz.), die Ouvertüre, der Auftakt zu einem neuen grünen Anbauprojekt, quasi.

Zusammen mit den Verbraucher*innen die Felder bewirtschaften und sich die Ernte sowie die Finanzierung teilen – solidarisch mit Mensch und Natur – ein starkes Projekt mit Zeitgeist, sowie Hand und Fuß, bei Feldarbeit unverzichtbar.

Details, Kontakte oder Neues zum Feldgeschehen beider Projekte der solidarischen Landwirtschaft sind auf Ouvertura und GeLa Ochsenherz zu entdecken.

Header_Projekteplattform

Zu sehen was es schon alles gibt, macht Mut selbst etwas zu tun!

Es passiert gerade sehr viel, nur ist die Sichtbarkeit für alle diese Projekte noch nicht gegeben. Es ist schwierig sich einen Überblick zu verschaffen.

Dafür haben wir in einen Prototypen für eine Projekteplattform aufgesetzt. Einige Projekte sind schon eingetragen. Später soll auch Selbsteintrag möglich sein. Wer sich noch nicht findet kann gern Infos schicken und sich von uns eintragen lassen.

Initiativen, die alle oder z.B. nur bestimmte Projekte – wie beispielsweise nur gemeinschaftliche Wohnprojekte oder nur landwirtschaftliche Projekte darstellen wollen – können einen Zugang erhalten.

Die Idee ist gemeinsam eine Datenbank zu nutzen und zu pflegen, die in jedes Webdesign eingebunden werden kann. Klickt euch doch einfach durch den Prototypen! Bei Fragen oder Interesse einfach eine E-Mail an Hannes Zagar schreiben: hannes.zagar@rasenna.at

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Die Konzentration von Vermögen und Grundbesitz in den Händen Weniger ist ein weltweiter Trend und schreitet auch in Österreich munter voran. Was den Rückgang an landwirtschaftlichen Flächen betrifft, ist Österreich mit 22 Hektar pro Tag sogar Spitzenreiter in Europa. Genug Gründe, um aktiv zu werden.

Am 25. Und 26. November fand in Wien das erste österreichweite Land-Forum statt unter dem Motto „Böden aufbrechen!“. Als Bild zu dieser Metapher beschreibt Maria Vogt von der ÖBV den Boden als sehr lebendig und vielfältig, während die Eigentumsstrukturen darauf extrem starr sind und nicht mehr funktionieren. Um darauf aufmerksam zu machen haben FIAN, ÖBV Via Campesina, das Netzwerk für Existenzgründung in der Landwirtschaft (NEL) und RASENNA – Boden mit Zukunft, dieses Land-Forum ins Leben gerufen. Die Idee dazu entstand bereits beim Treffen der österreichischen Bewegung für Ernährungssouveränität 2015 in Villach.

Zum einen ist es wichtig, ein Bewusstsein für diese Entwicklungen zu schaffen, die zwar vor unser aller Augen ablaufen, aber trotzdem nur schwer greifbar sind. Daten über Eigentumsverhältnisse zu erhalten ist ein mühsames Unterfangen, für Europa hat das Transnational Institute (TNI) mit Sylvia Kay großartige Arbeit geleistet. Ihre Forschungsergebnisse sind gut aufgearbeitet auf ihrer Website abrufbar. Die FAO-Leitlinien bieten eine Handlungsanleitung für Staaten und Zivilgesellschaft, wie die Verwaltung von Land auf Basis der Menschenrechte verbessert werden kann. Für Brigitte Reisenberger von FIAN können diese Leitlinien ein Türöffner sein, um die Landfrage in Österreich und Europa zu diskutieren.

Neben der politischen Arbeit auf EU-Ebene und der Forschung für ein verstärktes Problembewusstsein ist es zum anderen wichtig, konkrete Alternativen zu leben. Jene Menschen, die vom Zugang zu Land ausgeschlossen werden, müssen Möglichkeiten und Werkzeuge erarbeiten, um  zu ihrem Recht auf Land zu kommen. Terre de Liens in Frankreich gehen diesen Weg bereits sehr erfolgreich, die Ökonauten eG aus Berlin-Brandenburg haben bereits ein erstes Projekt, das Netzwerk für Existenzgründung in der Landwirtschaft beschäftigt sich erstmals in Österreich mit außerfamiliärer Hofübergabe und Rasenna, tja dazu gibt es bald viele tolle Neuigkeiten! Alle diese Initiativen folgen der Idee, Grund und Boden als Commons zu organisieren, vor dem Einfluss von Profitinteressen zu schützen und damit das Land zugänglich für echte Bedürfnisse zu halten.

Ein erster Schritt ist getan, wir haben uns mit Infos versorgt und ausgetauscht, die Böden ordentlich gelockert – aber das ist erst der Anfang!  Eine ausführliche Dokumentation über das Land-Forum mit den wichtigsten Statements der TeilnehmerInnen und Initiativen wird es im Jänner geben.

 

Header-Filmtipp_Land-fuer-unser-Essen

Zugang zu Land ist heute die große Herausforderung für Gemeinschaften. Der Film „Land für unser Essen“ geht diesen Fragestellungen mit Fokus auf die Landwirtschaft nach … in Großbritannien, in Frankreich und Spanien. Diese 34 Minuten sind eine gute Einstimmung auf das Land-Forum am 25./26. November in Wien, von Margit Fischer.

Jeder Acker und jede Weide gehört jemandem – gerade für Bauern und Bäuerinnen ist das eigene Land existentiell und Privateigentum eine heilige Kuh. Es gehört nicht zur kollektiven Erinnerung dieses Berufsstandes, dass den Bauern und Bäuerinnen durch Einhegungen ihr Land genommen wurde, um es wiederum von den Mächtigen pachten oder kaufen zu müssen und dass sie viele soziale Kämpfe verloren haben. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Wie sieht es heute damit aus, wie steht diese Geschichte in Zusammenhang mit aktuellen Problemen der Landwirtschaft und was kann man dagegen tun? Diesen Fragen geht der kurze Film „Land für unser Essen“ nach.

Gavin Bridger hat mit Gleichgesinnten ein solidarisches Landwirtschaftsprojekt in England aufgebaut, es läuft wirtschaftlich gut, die Gemeinschaft wächst, der Boden wird immer fruchtbarer – bis eines Tages der Pachtvertrag ausläuft. Die Suche nach leistbarem Land beginnt und stellt sich in dieser Gegend als großes Problem heraus, wo alle Flächen sofort als Pferdekoppel, an landwirtschaftliche Großbetriebe oder als Baugrund verkauft werden. Gavin hat ein Jahr Zeit und als die Suche erfolglos zu werden scheint, begibt er sich auf die Suche nach Alternativen. Mit diesem Problem steht seine CSA-Gemeinschaft, Community Supported Agriculture, schließlich nicht alleine da, weltweit ist Menschen der Zugang zu Land versperrt – solange sie ihn nicht mit Monokulturen ausbeuten und für Profit verwerten.

Seine Reise führt ihn nach Frankreich, wo terre de liens ein mittlerweile großes und stabiles Netzwerk aufgebaut hat. Terre de liens ist eine Mischung zwischen Genossenschaft und Stiftung, sie wird aktiv, wenn es Höfe oder fruchtbares Land zu verkaufen gibt: In Zusammenarbeit mit den zukünftigen Bauern und Bäuerinnen, mit wichtigen Institutionen vor Ort wie der Gemeinde und mit Menschen, die ihr Geld sinnvoll investieren wollen, wird ein Budget aufgestellt und die Immobilie gekauft und an die BewirtschafterInnen verpachtet. Durch diesen ersten gemeinsamen Kraftakt wird bereits der Grundstein für die Integration der HofbewohnerInnen in die Gemeinde und für die Beziehungen zwischen Produzierenden und Konsumierenden gelegt.

Die Reise geht weiter zur Schule für SchafhirtInnen in Spanien, Rurbans. Schafhaltung hat in Spanien eine lange Tradition, leidet aber an Nachwuchsschwierigkeiten. Hier wird die Organisation Rurbans aktiv, die mehr ist als eine Ausbildungsstätte, sie unterstützt die Schäfer und Schäferinnen auf ihrer Suche nach einem Hof und erleichtert den Einstieg in die Landwirtschaft.

Wie die Reise und die Suche weitergeht, wird hier nicht verraten, anschauen lohnt sich aber! Die Doku „Land für unser Essen“ wurde von Julio Molina gedreht und ist auf der Plattform Zugang zu Land abrufbar.

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Hannes Zagar und Beatrice Stude waren im September auf dem Bodenseminar vom Netzwerk Zukunftsraum Land in Linz. Ein Bericht von Beatrice Stude.

Unser Boden ist unsere Lebensgrundlage. Das Bewusstein dafür ist da, doch der Handlungsspielraum klein. Bodenschutz bedeutet Ernährungssicherheit, Sicherheit der Wasserversorgung, Bekämpfung des Klimawandels und vieles mehr. Doch die Bodendegradation schreitet weiter voran, beispielsweise durch Erosion, Humusreduktion, Verdichtung, Versalzung, Erdrutsche und Kontaminierung. Das Ausmaß und die Folgen der hohen und stetig zunehmenden Versiegelung und damit des Rückgangs unserer Biodiversität in Europa sind dabei gar nicht abschätzbar, wie der Bodenatlas von Europa zeigt.

Wir brauchen einen guten und fruchtbaren Boden für unser Wohlbefinden, als Grundlage für ein gutes Leben, für Sicherheit, für unsere Entscheidungs- und Handlungsfreiheit und für unsere Gesundheit.

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Quelle: researchgate

Doch trotz des Bewusstseins für diese enorme Bedeutung ist der Schutz des Bodens als zentrale Zielvorgabe kaum verankert – weder auf Europaebene, noch auf nationaler Ebene.

Vor diesem Hintergrund entstand die Initiative People4soil. Ihr erklärtes Ziel ist, dass sich die EU dem Bodenschutz annimmt. Wieder. Denn bereits vor acht Jahren erarbeitete die EU Vorgaben. Nur wurden diese von den Mitgliedsstaaten als nicht tragbar abgelehnt. Einige Anwesende wünschen sich die Vorgabe von messbaren Zielen seitens der EU, die dann von den Mitgliedsstaaten, jeder auf seiner Art und Weise, umgesetzt werden sollen. Andere sehen Handlungsbedarf beim Nachwuchs und der Bewusstseinsbildung. Warum immer entweder oder? Es braucht wohl beides. Sicher. Und vieles mehr darüber hinaus. Denn für die Entstehung von einem Zentimeter fruchtbaren Bodens braucht es 100 Jahre und länger.

Am Nachmittag ging es auf die Felder. Wir durften Fruchtfolge bestimmen und schätzen. Und erfahren welche Mischungen als sinnvoll erachtet werden, aber auch vor allem was es kostet die Felder koninuierlich das ganze Jahr durch Pflanzen bedeckt zu halten, um Bodenerosion zu verhindern.

Die Mittagspause war geprägt von Diskussionen über Bio- und regionale Produkte. Permakultur war hier (noch) kein Thema. Doch Bio heißt für jeden etwas anderes. Für einige nur konventionelle Landwirtschaft ohne den Einsatz von Pestiziden oder Herbiziden. Für andere hingegen hat Bio vor allem mit Blick auf funktionierende Kreisläufe teils auch schon den Bodenschutz mit im Fokus und nähert sich der Permakultur an.

Wir von RASENNA – Boden mit Zukunft beschäftigen uns mit rechtlichen Möglichkeiten Grund und Boden als Gemeingut einer ökologisch achtsamen und sozial verträglichen Nutzung zu widmen und die Zugänglichkeit zu Land sicherzustellen. In diesem Kontext sind wir an allem interessiert, was für den Boden wichtig und gut ist.

Photocredit: Boden.Wasser.Schutz.Beratung

Boeden-aufbrechen

In Europa konzentriert sich Land in den Händen weniger InvestorInnen und Agrarunternehmen. Längst wurde Grund und Boden als lohnendes Anlageobjekt erkannt, was bei wachsender Bevölkerung und zunehmender Nachfrage verständlich ist – und weil zugleich die freien, fruchtbaren Flächen durch Versiegelung, Umweltverschmutzung und durch die Schäden der industriellen Landwirtschaft immer knapper werden.

Wem gehört die Welt? Wer hat Zugang zu Land? Wie können Zugänge zu Land demokratisch organisiert werden? Mit diesen Fragen stehen wir als RASENNA – Boden mit Zukunft – nicht alleine da und das ist gut so! Viele Vereine, Genossenschaften und Stiftungen suchen nach gemeinschaftsgetragenen Eigentumsformen. In Zusammenarbeit mit FIAN, die sich für das Menschenrecht auf Nahrung einsetzen, mit ÖBV Via Campesina, der österreichischen KleinbäuerInnenorganisation und NEL, dem Netzwerk für Existenzgründung in der Landwirtschaft, organisieren wir dafür ein Land-Forum – hier können Möglichkeiten zum gemeinschaftlichen Zugang ausgelotet und Wege dahin gemeinsam beschritten werden.

Wir haben spannende Gäste eingeladen: Ana González – EHNE-Bizkaia (Baskenland), René Tettenborn – Ökonauten eG (Deutschland), Sjoerd Wartena – Tierre de Liens (Frankreich), Sylvia Kay – Transnational Institute TNI (Niederlande), Isabella Lang – NEL , Julianna Fehlinger – ÖBV-Via Campesina Austria, Sarah Kumnig – Universität WienArthur Kanonier – Technische Universität Wien, Franz Staudinger – Landwirtschaftskammer OÖ, Brigitte Reisenberger – FIAN Österreich, Margit Fischer – RASENNA, Brigitte Kratzwald – commons.at, u.v.m.

Das Land-Forum für Ernährungssouveränität gliedert sich in zwei Teile:

TAGUNG
| inhaltliche Kompetenzen stärken | gemeinsames Verständnis schaffen | Vernetzung von Initiativen verbessern |
Freitag 25.11.2016 (13:00-20:00)
in der VHS Ottakring | 16., Ludo-Hartmann-Platz 7

  • Panel 1: Land in welcher Hand?! Welche politischen und wirtschaftlichen Dynamiken bewirken die zunehmende Landkonzentration weltweit, in Europa und in Österreich?
    Exkurs zum rechtlichen Status quo in Österreich: Wie funktionieren Raumordnungsrecht und Grundverkehrsrecht?
  • Panel 2: Mit Recht zu Land?! Welche Rolle spielen rechtliche Rahmenbedingungen für Landkonzentration und zunehmende nicht-landwirtschaftliche Nutzung von Land?
    Gemeinsam aktiv werden!?  „Markt der Initiativen”

ARBEITSGRUPPEN
| vertiefenden Erfahrungsaustausch ermöglichen | gemeinsame Strategien erarbeiten | zukünftige Aktivitäten planen |
Samstag 26.11.2016 (09:00-17:30)
in der VHS Penzing | 14., Hütteldorfer Straße 112

  • AG 1: Die FAO-Leitlinien zum Zugang zu Land als praktisches Werkzeug und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden (ganztägig)
  • AG 2: Land als Commons – Einführung in Geschichte und Praxis der Commons und Commons als Schlüssel zu Land (vormittags)
  • AG 5: Hofbörse – Perspektive Landwirtschaft (nachmittags)

 

Die Teilnahme ist kostenlos.

Deutsch und Englisch werden als Sprachen angeboten!
Anmeldung mit Arbeitsgruppenpräferenz (begrenzte Teilnehmer*innenzahl) und Sprache bitte unbedingt bei office@fian.at
Wir freuen uns auf viele teilnehmende RASENNAs!

 

aktualisiert (Programm und Gäste) 11.11.2016

Sinnstiftung2

Vor kurzem gab es wieder ein agrarpolitisches Wochenende mit vielen spannenden Initiativen und engagierten Menschen. Auch RASENNA war mit von der Partie! Die ÖBV Via Campesina hat dazu in Zusammenarbeit mit FIAN nach Schlierbach eingeladen. Im Mittelpunkt stand das Thema „Zugang zu Land“ – das gleichsam wichtig ist für Bauern und Bäuerinnen sowie für jene, die es werden wollen. Es sind vor allem kleine Betriebe unter 5 Hektar, die die Stalltür für immer zusperren.

Das Weichen der Kleinen bedingt das Wachsen der Großen, wodurch es zu Landkonzentration kommt. Phänomene wie Landgrabbing gibt es nicht nur in Ländern des globalen Süden, sondern spielt sich auch innerhalb Österreichs und unter massiver Beteiligung österreichischer Investoren in europäischen Nachbarländern ab. Die Spekulation mit Land treibt die Bodenpreise in die Höhe. Das erschwert die Bedingungen für NeueinsteigerInnen, einen Betrieb aufzubauen und für kleine Betriebe, ihre Pachtflächen zu behalten und Investitionen zu tätigen. In ganz Österreich sprießen Initiativen aus dem Boden, die nach Lösungen suchen, um den Zugang zu Landwirtschaft und Wohnraum zugänglich zu halten. Zum Beispiel NEL, HabiTAT und Bodenfreiheit.

RASENNA ist eine von Vielen! Im Herbst soll es eine weitere Veranstaltung zu diesen Themen geben. Haltet euch auf dem Laufenden, mischt euch ein und macht mit!

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Dank einer Verkettung unwahrscheinlicher Zufälle ist der Planet Erde mit einer lebendigen Haut überzogen. Im Boden leben Milliarden von Mikroorganismen, die Pflanzen über die Wurzelhärchen mit Nährstoffen versorgen. Der Boden produziert also netterweise Essbares für Mensch und Tier – wenn das kein Grund zum Feiern ist? 
Der Boden selbst hat nur leider weniger Grund zum Feiern. Die Landwirtschaft müsste sich lediglich gut um die Lebewesen im Boden, um die Bakterien, Pilze und Regenwürmer kümmern. Die industrielle Landwirtschaft aber hat ihnen mit Einsatz von Chemie den Kampf erklärt und die zunehmende Versiegelung durch Straßen- und Städtebau betoniert den Bodenbewohnern ihr zu Hause einfach zu.
Wir können viel produzieren, aber die Fläche an Boden ist nicht vermehrbar. Einen rücksichtsvollen Umgang hat der Boden nicht nur an diesem Ehrentage verdient!

Das Umweltbundesamt zeigte dazu vor zwei Tagen den Film Symphony of the Soil im Stadtkino im Künstlerhaus in Wien. Wirklich sehenswert! Demnach ist biologische Landwirtschaft die Antwort für viele Problemstellungen der heutigen Zeit: vor allem unser aller Ernährungssicherheit.

PregärtnerInnen

Von Julianna Fehlinger

Seit zwei Jahren lebe ich in Pregarten im Mühlviertel auf einem Hof mit zwei weiteren Frauen und einem Elternpaar. Auf dem 26ha großen Betrieb mit Milchkühen und Mastrindern bauen wir zusätzlich Getreideraritäten an. Ich habe mich mit Landwirtschaft aktivistisch schon länger bei agrarattac und im Rahmen meines Sozioökologie-Studiums beschäftigt. Ich würde das Problem so definieren: Der Zugang zu Boden – der wichtigsten Ressource, um Leben zu schaffen – wird in einen kapitalistischen Markt verwandelt. Boden wird durch verschiedene Prozesse wie Spekulation oder Produktion von Biotreibstoffen immer „heißer“ gehandelt und wird immer teurer. Das erschwert Projekten den Zugang zu Land, die sich für ein gutes Leben, für Antworten auf den Klimawandel, für das Ausprobieren alternativer Gemeinschaftskonzepte einsetzen wollen.

Die Landwirtschaft ist ein ökonomischer Bereich, wo wenig erwirtschaftet wird, man aber irrsinnig viele Bodenressourcen braucht, vor allem wenn es um Grünland oder Ackerbau geht – bei Gemüsebau ist die Wertschätzung der Einheit Boden höher. Es ist eigentlich unmöglich, sich da einzukaufen. Die einzig möglichen Wege wären Pachten und in unsicheren Verhältnissen leben, in einen Hof Einheiraten oder ihn geschenkt bekommen. Was auch geht und wie es bei mir zur Zeit ist, ist der Zugang über die Eltern eines/r FreundIn. Für alle Möglichkeiten muss man einen hohen Preis bezahlen, bei uns ist es z.B. so, dass es wir mit den Altbauern auszukommen müssen, was das Projekt gefährdet. Viele Veränderungen am Betrieb, in den wir all unsere Kraft stecken, sind durch diese Eigentumsverhältnisse nicht möglich.

Andere Eigentumsformen zu finden ist dringend notwendig. Die Stiftung RASENNA kann den Zugang zu Land jenen ermöglichen, die nicht den höchsten Preis zahlen können, aber einen großen Nutzen für Umwelt und Gesellschaft erbringen wollen. Deshalb freue ich mich, dass es diese Idee nun auch in Österreich gibt.