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Zu Pfingsten durften wir als Impulsgeberin am Symposium von Rückenwind im Waldviertel zeigen wie Genossenschaft und Stiftung ideal zusammen wirken können: für kooperatives Wirtschaften, solidarische Lebensweise und zur Absicherung von Vielfalt.
Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier unser Pitch – unsere Kurzvorstellung:

Für alles was wir tun wollen brauchen wir einen Ort, einen Ort wo wir es tun können.
Doch Österreich ist aufgeteilt, meist parzelliert in (Privat-) Eigentum. Wenige entscheiden darüber ob und wie sich Viele entfalten dürfen.

Früher war das anders. Früher gab es Allmenden, die gemeinschaftliche Nutzung von Land. Nach miteinander festgelegten Regeln wurden die zur Verfügung stehenden Ressourcen genutzt, erhalten und gepflegt.

Wie können wir die Allmende wiederbeleben?
Indem wir Land mit einer sinnvollen Nutzung verbinden, es aus der Spekulation nehmen und generationsübergreifend absichern.

Das alles kann die Rechtsform Stiftung.

Wir sind dabei die gemeinnützige Munus Stiftung – Boden für gutes Leben zu gründen. Wir schaffen damit ein Werkzeug für alle, um Land für Kooperation und gemeinsinniges Wirtschaften abzusichern.
Wir können damit gemeinsam Allmenden schaffen, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.

Für alle die dort waren vielen Dank für die Inspirationen, Ideen für die nächsten Schritte und Unterstützungsankündigungen.
Herzliches Dankesehr ans Rückenwind und GEA Team für dieses feine Wochenende in Schrems!

Mehr Infos dazu, sind hier zu finden.

Header_GeLa-Ochsenherz

Wenn „Gemeinsam Landwirtschaften“ unter den Druck der Markt- und Geldlogik kommt, kann sie aufgeben oder ihre eigene Logik ein Stück weiter realisieren. Ein Artikel von Lorenz Glatz sen., Mitglied bei GeLa Ochsenherz und eine der treibenden Kräfte für die Munus Stiftung – Boden für gutes Leben.

Es hat schon schräg zu den Strukturen und Denkweisen begonnen, in der heute die Produktion von Nahrungsmitteln abläuft. Dort gilt Nahrung vor allem als Ware, die einerseits produziert wird, um möglichst viel Geld zu verdienen und andererseits möglichst dort gekauft wird, wo sie am billigsten ist. Da aber sind Gärtnerinnen, die pflegen die Pflanzen achtsam, statt sie bloß auszunützen. Das steht schräg zum Effizienz- und Profitdenken in der Welt der Wirtschaft. Von dieser sind jene Gärtner halt nicht so recht. Auf den zwei Märkten, wo sie wöchentlich gestanden sind mit ihrer frischen Ernte, hat der Geschmack des Gemüses die Kunden begeistert. Kaufanreiz war das wohl, aber mit dem Einkommen, das sie da auf dem Markt erzielten, gab es doch kein rechtes Auskommen.

Man sollte also „realistisch“ werden, so agieren, wie es dem „Gang der Dinge“ nun einmal entspricht: sich spezialisieren, rationalisieren und so. Geschmack dran gefunden haben die Gärtnerinnen keinen. Auf der Suche nach einem Ausweg haben sie schließlich von „Community Supported Agriculture – CSA“ gehört, und einen Hinweis auf den Buschberghof bei Hamburg gab es bald auch. Es kam dann eine ganze „Arbeitsgruppe“ zustande, die den „Ausweg aus der Wirtschaft“, könnte man das nennen, bahnen wollte. Sie nahm Kontakte auf, informierte sich und interessierte Leute. Man brauchte da durchaus Ungewöhnliches: Menschen, die bereit waren, das Budget eines Betriebs zu finanzieren und dafür das zu bekommen, zu kochen und zu genießen, was gerade auf den nahen Feldern wächst – vom Wetter abhängig einmal mehr und einmal weniger, einmal mehr diese, ein andermal mehr jene Gemüsesorten. Zum Teil sollte man sein Gemüse noch in abgepackten Kistln bekommen, der Großteil der Versorgung aber würde in „freier Entnahme“ gestaltet, die Mitglieder würden kommen, sich nehmen, was sie für die nächste Woche brauchen und dabei zugleich an den Bedarf der andern denken. Und zahlen sollten nicht alle einfach ihren Anteil, sondern je nach ihren Verhältnissen mehr oder weniger. Und mithelfen möge man auch noch, auf den Feldern, bei der Verteilung und der Verwaltung des Geschehens. Das klang ziemlich nach einer neuen Welt von Gemeinschaft und Rücksichtnahme inmitten einer alten, wo einfach Kaufkraft und Zahlung bestimmen, was wer brauchen darf.

Die Initiative Ge(meinsam) La(ndwirtschaften) Ochsenherz um diesen Gärtnerhof in Gänserndorf ist tatsächlich mit dem Jahr 2011 auf die Welt gekommen, tatsächlich etwas Neues, freilich behaftet mit jeder Menge Altem. Immerhin beteiligen sich vier von zehn Mitgliedern zumindest zaghaft an der Selbsteinschätzung ihres Beitrags zum Budget über dem Durchschnitt wie darunter und sind an die zwanzig Prozent der 300 Beteiligten von ein wenig bis sehr intensiv bei freiwilligen Tätigkeiten dabei, nicht weil es einen geldwerten Vorteil brächte, sondern weil es „Freude macht“ und „Sinn“. Wer bedenkt, wie intensiv die Lebensweise des Konsumismus und des „Jeder ist sich selbst der Nächste“ den Alltag längst durchdringt, ist das ein schöner, wenn auch kleiner Anfang. Und auf die eine oder andere Weise versuchen sich daran inzwischen mehr als zwanzig andere Projekte auch.

Wie gefährdet aber so ein Pflänzchen wie die GeLa Ochsenherz in unserer Markt- und Geldwirtschaft sein kann, hat sie auch bald sehr deutlich zu spüren bekommen: Gänserndorf liegt nah bei der wachsenden Großstadt Wien. Investoren spekulieren auf steigende Bodenpreise und lukrative Bauten. Auch kleine Grundbesitzer möchten davon ein wenig profitieren. Ochsenherz hat kaum drei ha Eigengrund, der liegt aber abseits vom Großteil der damals genutzten Fläche, die bloß Pachtland war. Dort wurde in Bauland umgewidmet – und die Pacht nicht mehr verlängert. An diesem Stück Boden hing aber die Infrastruktur – Ruheraum und Sanitäranlagen für die Gärtner waren dann nicht mehr erreichbar, der Brunnen nicht mehr zugänglich, die Folientunnel abzubauen. Neues Pachtland beim Eigengrund fand sich schließlich doch, die zweihunderttausend Euro für Übersiedlung, Ankauf und Ausstattung von Containern, Anschluss an Strom und Kanal lagen jedoch nicht herum. Mangels Sicherheiten wohl nur schwer auch auf einer Bank.

In der Markt- und Konkurrenzwirtschaft ist hier die Geschichte meist an ihrem Ende, im Fall von Ochsenherz aber wurde diese Krise zum nächsten Stückchen Aufbruch in ein Neues: Der Mitgliederverein von GeLa Ochsenherz übernahm die Finanzierung. Einige Mitglieder spendeten oder liehen Geld und etliche zahlten für ihre Ernteanteile einige Jahre im Voraus. Abgestottert wird das Geliehene und Vorgestreckte mit Gemüse bzw. aus dem Budget, sodass am Ende sich alle beteiligt haben werden. Die Mitglieder wollten entgegen der üblichen Logik beim Geldverleihen nichts daran verdienen, sondern einfach den Bestand solidarischer Landwirtschaft über den Wechsel der heute beteiligten Personen hinaus absichern. Die Anschaffungen und das Stück Land, zu dem sie gehören, werden daher in Zusammenarbeit mit dem Verein „RASENNA – Boden mit Zukunft“ in eine neu zu gründende Stiftung eingebracht – „Munus Stiftung – Boden für gutes Leben“ soll sie heißen, die Bedeutungen von „Aufgabe/Verbindlichkeit“ und „Geschenk“ sind hier in einem (lateinischen) Wort zusammengefasst.

Das Wesen einer Stiftung liegt darin, dass sie keine Eigentümer hat, sondern einen Zweck, an den die Verwalter gebunden sind. Man ist bei solchen Zwecken nicht zufällig daran gewöhnt, an Steuervermeidung und die Versorgung reicher Erben zu denken. Im Falle der Munus Stiftung (in Gründung) jedoch ist der Zweck, dass dieses Stück Land und die mit ihm verbundenen Anlagen und Güter aus Verkauf und Spekulation herausgenommen und für solidarische und ökologische Landwirtschaft zu reservieren sind. Ungewöhnlich, aber für die Menschen nützlich, wenn man über den Tellerrand hinausschauen will.

Die Munus Stiftung hat als unveränderlichen Zweck die Förderung ökologischer und solidarischer Lebens- und Wirtschaftsweise in der Landwirtschaft und anderen Bereichen, und sie gewährleistet durch einen Aufsichtsrat, der mit den Vertretern der Initiativen, die mit Stiftungsgut werken, besetzt sein wird, auch eine lebensnahe Praxis.

Schon für die Errichtung werden weitere zwei Hektar Ackerland das Gründungsgut der Munus Stiftung vergrößern. Sie stammen von der eben aus Ochsenherz hervorgehenden weiteren solidarischen Landwirtschaft Ouvertura in Moosbrunn, südlich der Donau. Das ist der erste Schritt auf einem möglichen und erwünschten Weg zukünftiger Entwicklung dieser Stiftung auch nach ihrer Gründung. Die Erde, von der Pflanzen und Tiere einschließlich der Menschen leben, soll mit jedem weiteren solchen Schritt ein Stückchen weniger Objekt der Geldverwertung, sondern befreite Quelle von Leben sein. Große Worte realisieren sich auch in kleinen, hoffentlich fruchtbaren und zur Nachahmung anstiftenden Taten.

Diese sind dringend nötig: Allein in Österreich geben nach Zahlen von 2014 jährlich 2300 Bauernwirtschaften auf – und vergrößern damit den Umfang und Einfluss industrieller Landwirtschaft (Der Standard – Bauernsterben geht weiter, Betriebe werden größer – 30.05.2014). Zusätzlich wird nach einer Untersuchung von 2017 täglich (!) Boden im Ausmaß von drei Fußballfeldern durch Bau von Häusern, Straßen und dergleichen versiegelt. Wenn das so weiter ginge, bliebe in zweihundert Jahren kein Flecken Ackerland und freie Natur mehr übrig (Wiener Zeitung – Versiegelt – 29.03.2017).

Bauern zum Beispiel, aber auch andere Grundbesitzer können in Erkenntnis der Destruktivität dieser Entwicklung ihren Grund und Boden und auch sein Zubehör über ihr Leben hinaus für ökologische Landwirtschaft oder solidarisches Leben und Wirtschaften auf anderen Gebieten mit Hilfe der Munus Stiftung reservieren und ihr Lebenswerk absichern, auch ohne zu Lebzeiten ihren Lebensunterhalt zu schmälern. Und überhaupt können Menschen, die Geld- und andere Vermögenswerte dem Stiftungszweck auf irgendeine Weise widmen wollen, in der Munus Stiftung ein Instrument dafür finden.

Umgekehrt können landlose junge Menschen, die heute große Schwierigkeiten haben, eine Bauernwirtschaft zu gründen und zu betreiben, durch diese Stiftung zu Grund und Boden, Gebäuden und Betriebsmittel kommen. Ebenso Initiativen, die solidarisches Leben und Wirtschaften auch auf anderen Feldern einpflanzen wollen. Die Munus Stiftung sieht ihre „Aufgabe“ darin, jene „Geschenke“ Früchte tragen zu lassen für die Menschen.

Wir sind zu unserem Tun und Denken gekommen, weil andere uns angeregt haben, und so wollen wir einen weiteren Anfang machen und mit dieser Gründung gewissermaßen einen Stein ins Wasser werfen. Wir hoffen, dass er Wellen schlägt, die Kreise ziehen.

Wer die GeLa zumindest ausprobieren will, hat noch die Möglichkeit, das für diese Saison (Mai bis November) zu tun. Es gibt noch ein paar Kistl-Plätze. Schaut auf www.ochsenherz.at. Für nicht wenige sind Kistl eine Art Einstiegsdroge.

Wer beim Namen „Ochsenherz“ nicht gleich an Gemüse denkt, der ist nicht allein. Die Gärtnerei hieß ursprünglich „vis a vis“, weil das Wohnprojekt „Lebensraum“, von wo die ersten Gärtner und Esser kamen, gleich gegenüber lag. Mit Gemüse und Gärtnern hatte dieser Name aber schon überhaupt nichts gemein. Also schrieb wer eine Menge Gemüsesorten für einen neuen Namen auf, von denen bei einem Nicht-Gärtner ausgerechnet dieser merkwürdige sowohl Karotten- wie Paradeiser- und auch Krautsortenname „Ochsenherz“ hängen blieb. Vielleicht hat er so viel davon geredet, dass das der Grund war, warum man nach ein paar Monaten schließlich diesem Namen nachgegeben hat.
Wer da heute noch Zweifel hat, ob der passend ist, der soll in einen solchen Paradeiser beißen. Das überzeugt.

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Ende März wurde die neue Initiative Ouvertura Interessierten vorgestellt: das Konzept, bereits Geleistetes und eine kleine Vorschau auf das, was kommen mag. Ein erstes spannendes Erntejahr steht bevor! Eine Reportage von Stéphanie Krischel.

Was passiert, wenn landwirtschaftsbegeisterte Freigeister durch zufällige Umstände für längere Zeit ihre kreativen Köpfe zusammenstecken? Es gedeiht in detaillierter, zweijähriger, ehrenamtlicher Planung die Initiative Ouvertura: Ein neues Projekt des solidarischen Landwirtschaftens, eine neue CSA (Community Supported Agriculture). Da wären ein Elektroniker, eine Permakulturistin, eine Nutztierwissenschaftlerin, ein Gärtner, ein Physiker, eine Sozialwissenschaftlerin und eine Musikerin – soweit das aktuelle Kernteam. Starke Hände im erweiterten Helfer*innenkreis gibt es noch mehr.

Das Prinzip von Ouvertura ist ebenso einfach wie genial. Produzent*innen und Konsument*innen machen sich buchstäblich gemeinsam die Hände schmutzig und profitieren von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln. Weg vom Produzieren hinter geschlossenem Hoftor. Unkrautzupfen, Bäume pflanzen, Beete anlegen, Workshops, Ernten oder Sammeln von Rezeptideen: Die Konsument*innen sind willkommen am Acker und Teil des Feld- und Verarbeitungsgeschehens. In der Praxis bereits bewährt hat sich das Konzept bei der CSA Gela (steht für Gemeinsam Landwirtschaften) Ochsenherz, bestehend aus dem Gärtnerhof und dem Verein der Ernteteiler*innen. Von Gänserndorf aus werden seit 2011 Ernteteiler*innen, sprich Verbraucher*innen, vorwiegend mit Gemüse und Kräutern versorgt. Das aktuelle Vorhaben von Ouvertura ist stark angelehnt an das erfahrene Tun von Gela Ochsenherz, durch welche sich das Ouvertura-Team auch gefunden hat. Durch Pilze, Obst, Nüsse, Getreide, Eier und Verarbeitungsprodukte wie Säfte, Marmeladen und Chutneys von Ouvertura in Moosbrunn wird die Produktpalette der solidarisch erwirtschafteten Erzeugnisse im Großraum Wien nun erweitert.

Die zirka 12 Hektar Feldfläche, Obstgarten und Pilzbeet liegen etwa 40 Minuten von Wien entfernt und sind gut mit Zug und Drahtesel zu erreichen. Bei Ouvertura gibt es keine Standarderntemengen Woche für Woche nach Wunschliste, sondern das, was Boden, Strauch und Baum gerade liefern, wird gerecht unter den Mitgliedern aufgeteilt. Hat Petrus länger schlechte Laune oder toben sich die Wühlmäuse so richtig aus, so erreicht auch mal eine Süßkartoffel weniger die Konsument*innen – schließlich sind diese bewusst  „Ernteteiler*innen“. Dito umgekehrt: Gibt es eine Kultur „en masse“, so quillt die Wochenportion auch mal gern über – aber nicht auf Knopfdruck, Natur eben. Jeden Dienstag heuer ab Ende Mai, in den Folgejahren bereits ab Februar, werden die zusammengestellten Erntekisten zu den Abholstationen befördert. Hierzu gehören Geschäfte, Lokale oder Lagerräume in Wien und Gänserndorf. Weitere Verteilerstellen in der Region sind im Entstehen.

Neben der Gemeinschaftsarbeit im Freiland ist die solidarische Finanzierung ein wichtiger Grundgedanke des Projektes und jeder CSA –  die unterschiedlich stark gefüllten Geldbörsen der Ernteteiler*innen sollen dem Willen und dem Bewusstsein, sich die wertvollen Nahrungsmittel zum Leben leisten zu können, nicht im Wege stehen. „Es geht nicht darum, was einzelne Ernteteiler*innen zahlen, sondern um das, was wir gemeinsam beitragen können“, so ein Gründungsmitglied von Ouvertura. Zur Orientierung gibt es einen vorkalkulierten Richtwert: Er setzt sich aus dem benötigten Budget für die Bewirtschaftung zusammen, geteilt durch die Anzahl der zu vergebenden Ernteanteile. Es liegt jedoch im Ermessen der Ernteteiler*innen, ob sie mehr oder weniger beisteuern können. Und das soll funktionieren? Ja, tut es! Die Mitarbeiter*innen und Ernteteiler*innen in Gänserndorf arbeiten bereits erfolgreich seit sechs Jahren nach diesem Prinzip. Wohlgemerkt: gewinnorientiert ist das Ganze nicht, kostendeckend und damit selbsttragend ja.

Schon mal was vom Taubenblauen Austernseitling, der Dalmatinerbohne oder der Böhmischen Nacktgerste gehört? Vielfalt und regionale, dem Standort angepasste Sorten sind auch ein fixer Bestandteil der Philosophie des „solidarischen Landwirtschaftens“. So auch die Bewirtschaftungsform: biologisch, in möglichst geschlossenen Kreisläufen. Für das Ouvertura-Team von Moosbrunn stand dies von Anfang an fest: Verantwortung für die Produktion von Lebensmitteln zu übernehmen, der genormten Standardgurke den Rücken zukehren und abseits der Supermarktmonotonie sich für unser Essen zu engagieren. Groß- und vielartig.

Heuer trägt das ambitionierte Projekt zum ersten Mal Früchte, im wahrsten Sinne des Wortes, und Getreide und Pilze, um genauer zu sein. Gerste und Weizen sind bereits ausgesät, 20 Raummeter Baumstämme wurden im vergangenen Jahr mit diversen Pilzkulturen beimpft. Die ersten Obstbäume wurden gepflanzt – Kriecherl und Zwetschken im Herbst letzten Jahres, Walnussbäume, Kaki und Feigen heuer im Frühling. In den Sä- beziehungsweise Pflanzstartlöchern für April/Mai stehen Trockenbohnen, Mais, Hirse, Amaranth und Süßkartoffeln. Obst und Beeren aus eigenem Anbau landen erst in den Kisteln, wenn die Bäume und Sträucher ausreichend tragen. Zwischenzeitlich kooperiert Ouvertura mit Obstbaumbesitzer*innen, die ihre Bäume nicht mehr beernten – auch für die Produktion von Apfelsaft. Die Hühner sind gedanklich im Anflug, wann genau das eierlegende Federvieh fix in die bereits eingezäunten Obstgärten einzieht, steht noch nicht fest. Eins nach dem anderen.
Ein baldiger zukunftsweisender Schritt wird die teilweise Überführung der Grundstücke in die Munus Stiftung – Boden für gutes Leben (in Gründung) sein. Zur dauerhaften Absicherung der zukünftigen Bewirtschaftung im solidarischen Sinne und auch als eine Art „Bodenschutz“. Schutz vor Bebauung oder intensivem Anbau, beispielsweise.

Die Spannung im ersten Ertragsjahr ist natürlich besonders groß, die Motivation und Begeisterung der Wahllandwirt*innen von Ouvertura aber genauso. Die Ideenkiste für die Zukunft ist bereits jetzt prall gefüllt: Da wären das Brotbacken, die Aufstriche, der Spargel- und Reisanbau sowie der Honig von einem Kooperationsimker. In freudiger Erwartung was die Zukunft, der Standort und die verfügbare Zeitkapazität bringen mögen. Die vorgesehenen 80 Pionierernteanteile sind zur Hälfte vergeben – für das Debütjahr von Bohne, Pilz & Co. nicht schlecht. Dennoch heißt es: aktiv werden, weitersagen, Kontakt aufnehmen, Bewusstsein schaffen sowie Verantwortung übernehmen. Also Pionierernteteiler*in werden, den Spaten schwingen oder Baumpflege- beziehungsweise Pflanzpatenschaften übernehmen. Spenden ist ebenso erlaubt. Möglichkeiten über Möglichkeiten!

Wer sich übrigens fragt, wieso denn ausgerechnet der Name „Ouvertura“, der bekommt gleich mehrere Antworten: Ganz am Anfang stand die Idee, Eier zu produzieren. „Ou“ wie „Ei“ auf rumänisch, der Muttersprache einer der Initiatoren. Dann lag, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, der Anbau von eigenem Getreide auf der Hand. Als Strohverwertungsmöglichkeit die Pilzzucht – und die Idee Ei-Getreide-Pilz war geboren. Außerdem „Ouvert“ (frz.) – offen für neue Ideen, für Zusammenarbeit, Mitarbeit, Solidarität. „Verdura“ – Gemüse (ital.), „vert“ – grün (frz.), die Ouvertüre, der Auftakt zu einem neuen grünen Anbauprojekt, quasi.

Zusammen mit den Verbraucher*innen die Felder bewirtschaften und sich die Ernte sowie die Finanzierung teilen – solidarisch mit Mensch und Natur – ein starkes Projekt mit Zeitgeist, sowie Hand und Fuß, bei Feldarbeit unverzichtbar.

Details, Kontakte oder Neues zum Feldgeschehen beider Projekte der solidarischen Landwirtschaft sind auf Ouvertura und GeLa Ochsenherz zu entdecken.

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Die Stadt als Gemeingut: Stadtbürger wacht auf! – so der Aufruf von Tom Avermaete im derStandard.at Mitte Jänner. Ein Kommentar von Beatrice Stude.

Professor Avermaetes Auftrag ist die Erforschung visionärer Formen von Stadt – Stadtkultur und öffentlichem Raum: „Die Stadt als Gemeingut versteht sich mehr als Bottom-up-Prozess. In den Niederlanden gibt es einige solcher Projekte, die von Bürgern initiiert wurden und in denen der Staat nur mehr eine begleitende Funktion hat.“ Er ist für ein Jahr Stiftungsprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.

Die Online-Kommentare zum Interview zeigen noch Bedarf für eine Nachschärfung der Definition(en) von Gemeingut und Commons. Commons, ident mit Allmende, stellt bezogen auf Land die Alternative zu Privateigentum dar und bedeutet einen anderen Umgang damit, wie Margit Fischer im Exkurs Allmende darlegt:

Niemand kann mir verbieten, unendlich viel Luft zu verbrauchen. Die Luft ist ein Gemeingut mit dem Charakter der Nicht-Ausschließbarkeit, ein reines öffentliches Gut. Mit Land verhält es sich anders, denn Land kann aufgeteilt, parzelliert und eingezäunt werden, kann also als Privateigentum oder als Gemeineigentum verwaltet werden. Ein solches Gemeingut mit Ausschließbarkeit wird auch als Allmende oder Commons bezeichnet. Es „gehört“ einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam über den Umgang mit ihrem Gut entscheiden. Treten Probleme der Übernutzung oder Verschmutzung auf, wird seit dem Klassiker „Die Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin die Privatisierung empfohlen. Dass diese neoliberale Folgerung angesichts massiver Umweltprobleme nicht mehr ganz so schlüssig klingt, wirft die Frage nach Alternativen auf.

Sind mehrere AkteurInnen an der Verwaltung einer Ressource beteiligt, dann werden kollektive Interessen eher berücksichtigt, weil unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kurzfristige Profitinteressen würden wenig Sinn machen, wenn die Ausbeutung einer begrenzten Fläche von Grund und Boden die Zerstörung der eigenen Existenzgrundlage bedeutet. Nur in einer Verwertungslogik, in der alle Lebensbereiche zu Waren degradiert werden, kann die Zerstörung der Umwelt als effizient gelten. Ressourcen gemeinsam als Allmende zu verwalten könnte Prinzipien wie Verantwortung für und Rücksicht gegenüber so wichtigen Ressourcen wie Grund und Boden wiederbeleben. [Auszüge aus: Exkurs Allmende]

Stadt entsteht, Stadt ist nie fertig. Eine gemeinschaftliche Verwaltung als bottom-up wäre somit die Fortsetzung und Erweiterung der zahlreichen Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger, die derzeit fast ausschließlich als top-down in der Konzeption und Planung vorgesehen sind. Die Schaffung von Commons stünde damit für die ganzheitliche Beteiligung und Übergabe als auch Annahme der Verantwortung. Kurz gesagt: Das wäre sehr begrüßenswert!

Der öffentliche Raum erhält hier eine Sonderstellung, da dieser allen Menschen zugänglich sein sollte! Öffentlicher Raum ist in erster Linie Begegnungsraum, der die Funktionen als Treffpunkt, für Austausch und zur Erholung inne hat. Doch werfen die teils diametralen Nutzungsansprüche Fragen auf: Gibt es einen Unterschied zwischen Verweilen und Herumlungern? Wie weit dürfen private Interessen den öffentlichen Raum besetzen? Es braucht Regeln, damit sich alle wohl fühlen und alle Platz haben. Straßen- und Verkehrsraum ist auch öffentlicher Raum. Die strikte Zuteilung der Flächen erzeugt oft Exklusivität: in erster Linie für Menschen mit Automobil. Wie sind lokale Interessen der Menschen an die Aufenthaltsqualität ihres direkten Lebensumfelds mit übergeordneten Mobilitätsinteressen auszuverhandeln und auszubalancieren? Wie ist den Folgen der aktuellen Aufteilung, des hohen Anteils an Straßenfläche für motorisierten Verkehr, vor allem im Hinblick auf die Qualität des Gemeingutes Luft zu begegnen?

Die im Interview angeführten Beispiele aus den Niederlanden und andernorts sind nachahmenswert und verdienen Weiterentwicklung! Einer Aussage von Prof. Avermaete ist allerdings zu widersprechen: „Ich sehe das Gemeingut auch nicht als Gegensatz zum Wohlfahrtsstaat oder zu den Märkten. Ich bin ja kein Antikapitalist!“

Der Kapitalismus basiert auf Privateigentum – an Produktionsmitteln oder Land – und konzentriert damit weitgehende Entscheidungs- und Gestaltungshoheit bei wenigen Menschen. Alleiniges Ziel des Kapitalismus ist Gewinnmaximierung, die Akkumulation von Kapital am freien Markt. Das Wirtschaften der Menschen zur Existenzsicherung ist davon klar abzugrenzen und hiermit und nachfolgend nicht umfasst.

Umgelegt auf die Stadt ist der Kapitalismus Antreiber von Gentrifizierungsprozessen. Von Verdrängung. So sind Initiativen meist Pioniere und engagieren sich in unattraktiven Stadtteilen – beleben diese. Sind sie in ihrem Tun erfolgreich, ziehen sie Investoren an. Die Folge: Die Mieten und Grundstückspreise steigen, und die Pioniere können sich das Leben dort nicht mehr leisten und werden vertrieben. Ein bekanntes positives Beispiel dafür ist die Sargfabrik, die als Grundstückseigentümerin abgesichert ist, jedoch infolge der Gentrifizierung ihre Erweiterung im Umfeld erschwert hat.

Der Erfolg der Sargfabrik ist auch gleichzeitig ihr eigener Feind. Gentrifizierung, Verdrängungsprozesse zulasten finanzschwacher Bevölkerungsschichten wurden ausgelöst. Oder anders gesagt: Die Belebung des Grätzels hat die Grundstückspreise im Umfeld zusätzlich zu den generell steigenden Grundstückskosten in Wien steigen lassen[Auszug aus: Sargfabrik – integrativ leben]

Dies zeigt, dass sich der Kapitalismus jede Art von Commons zunutze machen kann. Der Kapitalismus selbst jedoch keine Vorteile für Commons bereit hält. Vielmehr sind die Auswüchse des Kapitalismus der jüngeren Vergangenheit, und dessen negativen Folgen für die meisten Menschen, als Antreiber der steigenden Anzahl von Initiativen für Commons zu verstehen.

Mit der gemeinnützigen Munus Stiftung – Allmende für gutes Leben wird ein Werkzeug und Angebot für alle ins Leben gerufen, um Grundstücke aus der Spekulation zu nehmen und für NutzerInnengemeinschaften abzusichern. Es werden Commons geschaffen.