FAQ Projektbegleitung

In einem Interview mit Hannes Zagar werden die wichtigsten und häufigsten Fragen in Bezug auf die Partnerschaft von RASENNA mit Projektgruppen und GrundstückseiegntümerInnen erörtert.

Welchen Projekten möchte RASENNA eine Partnerin sein?

Wenn wir von Projekten sprechen, meinen wir gemeinschaftliche Projekte. Es gibt immer mehr Leute, die heute selbst anpacken und mitgestalten wollen, statt nur zu konsumieren, was angeboten wird. Und die sich dafür mit Gleichgesinnten zusammenfinden.

Und wenn wir von Projekten sprechen, dann meinen wir solche, die für ihre Umsetzung Grund und Boden erwerben oder nutzen. Egal ob darauf ein Wohnprojekt entsteht, eine Landwirtschaft, ein Kultur- oder Sozialzentrum oder vieles mehr.

Warum stellt ihr bei RASENNA die gemeinschaftliche Nutzung in den Mittelpunkt?

Die gemeinschaftliche Nutzung von Grund und Boden war von je her eine bekannte und sehr erfolgreiche Methode, um der Gemeinschaft Zugang und Nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Land nicht „übernutzt“ wird. Über viele Jahrzehnte sind in unterschiedlichsten Teilen der Welt Landstriche von Gemeinschaften genutzt und gleichzeitig auch gepflegt worden (siehe auch unseren Artikel zu Allmende/Commons).

Erst mit der Durchsetzung des Eigentums an Grund und Boden ist diese gemeinschaftliche Nutzung verdrängt worden. Es gibt natürlich immer noch eine Reihe von EigentümerInnen, die ihre Grundstücke nutzen und pflegen, also sorgsam damit umgehen. Dazu gehören mit Sicherheit alle gemeinschaftlichen Projekte.

Wo seht ihr denn die Problematik, wenn die Nutzerin auch gleichzeitig die Eigentümerin ist?

Ein wesentliches Risiko des Eigentums ist die potentielle Möglichkeit des Verkaufs. Wir sprechen hier bewusst von der potentiellen Möglichkeit, weil wir nicht davon ausgehen, dass Gemeinschaften IHREN Grund verkaufen wollen – die Möglichkeit aber gibt es. Diese Möglichkeit kann durch Druck von Innen oder auch von Außen zu einer realen Möglichkeit werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind. So könnten beispielsweise die Gläubiger kommen und den Grund wollen. In den alten Gemeinschaften gab es diese Möglichkeit nicht. Der Grund war nicht im Eigentum, konnte also weder belastet noch verkauft werden.

RASENNA schaltet diese Möglichkeit mit der Rechtskonstruktion der gemeinnützigen Stiftung aus. Die Gemeinschaftsprojekte sind tatsächlich nicht EigentümerIn, es gibt also keine reale Möglichkeit des Verkaufs oder der Belehnung bzw. Belastung mit Krediten. Belehnt werden können nur die Gebäude auf dem Grundstück. Damit können keine Begehrlichkeiten für den Grund und Boden entstehen.

Nun könnte doch jedes Projekt seine eigene gemeinnützige Stiftung gründen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Jedoch ist die Gründung und der Betrieb einer gemeinnützigen Stiftung mit Aufwand verbunden. Auf viele Schultern aufgeteilt, ist es weitaus leichter und in sich selbst ein begleitendes generationsübergreifendes Projekt für Gemeinschaftsprojekte. Daher verstehen wir die gemeinnützige Stiftung RASENNA als Werkzeug, dass wir zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen wollen.

Ihr wollt also Projekte unterstützen – was ist euer Anliegen dahinter?

Uns geht es AUCH um das Sichtbarmachen nach außen. Es geht darum ein Signal zu setzen, über das eigene Projekt hinaus zu zeigen, dass es auch anders geht: Ohne Eigentum an Grund und Boden, ohne Rendite für Boden oder allfällige Spekulation mit einer Wertsteigerung. Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, dass dieses Signal über das eigene Projekte hinausgeht, dass es also so etwas wie eine gemeinsame Plattform gibt, die zeigt, dass Nutzung und Pflege von Grund und Boden eine gute Alternative zu Rendite und Spekulation sind. Denn Grund und Boden ist eine endliche Ressource – unsere Lebensgrundlage – und keine Ware für den freien Markt. Dieses Sichtbarmachen sehen wir für RASENNA als eine ganz wesentliche Aufgabe an. Diese Aufgabe kann RASENNA für alle besser erfüllen, als wenn jedes Projekt für sich Gemeinschaftseigentümer ist oder womöglich eine eigene projektbezogene Stiftung zur Absicherung gründet.

Was passiert denn, wenn sich die Nutzergruppe verändert oder gar auflöst?

Zu Beginn ist es wohl für die meisten unvorstellbar, dass sich die Projektgruppe auflösen könnte oder auch nur stark verändert. Daher ist das oft ein verdrängter und damit vernachlässigter Faktor und der Umgang damit trifft die Gruppe dann meist unvorbereitet.

Wenn im Laufe eines Projektes neue Mitglieder hinzukommen, frühere weiterziehen oder gar ein Generationswechsel eintritt, kann es passieren, dass die ursprünglichen Ideen aus dem Fokus geraten und Neues an deren Stelle tritt. Das kann durchaus gut sein und eine Befruchtung bringen, doch manche Werte wollen bewahrt bleiben und vor unbedachten Veränderungen geschützt sein. RASENNA kann die Bewahrung dieser Werte für Gruppen übernehmen, wie wir auch die Wahrung der Nutzungsidee der ursprünglichen EigentümerInnen übernehmen können. RASENNA versteht sich als Begleiterin, die für die erforderliche Kontinuität Sorge trägt. Und damit auch bei dem Wunsch nach Auflösung einer Gruppe eintritt und eine passende Nachfolgergruppe für die Nutzung des Grundstücks und dessen Pflege findet.

Wir bei RASENNA setzen all unsere Kenntnisse, Kompetenzen und Kontakte ein, um euch bei der Umsetzung eurer Ideen zu unterstützen, weil RASENNA davon überzeugt ist, dass der Weg zu einem sorgsamen Umgang mit Land nur über Gemeinschaften führen kann – zu einem Boden mit Zukunft.

In welchem Fall können Menschen euch mit ihren Ideen und Vorhaben anrufen?

Wir freuen uns über jeden Kontakt von Projektgruppen und GrundstückseigentümerInnen. Wir setzen uns gern mit dem jeweiligen Anliegen auseinander – unterstützend, begleitend und kooperierend – wenn es uns gemeinsam einem Boden mit Zukunft näher bringt.


Unser Zuständiger für Projektbegleitung, Hannes Žagar, freut sich darauf, von Dir und Deinem Projekt zu hören.

Veranstaltung1

Zusammen! – Das RASENNA Netzwerk möchte unser aller Arbeit weiterbringen. Kommt zum Jahrestreffen, feiert mit uns, lernt unsere Vision und Projekte kennen! Wo seht Ihr Euch? Am 27. April gibt es viele Gelegenheiten für frühlingshafte Begegnungen.

Wir freuen uns sehr Frau Dr. Winiwarter als Vortragende für unser Jahrestreffen ankündigen zu dürfen! Ihres Zeichens Professorin für Umweltgeschichte am Institut für Soziale Ökologie in Wien, wird sie uns insbesondere an Ihrem Wissen über Agrargesellschaften und deren Böden teilhaben lassen. Sie ist auch Herausgeberin der Zeitschrift GAIA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft.

Außerdem freuen wir uns auf die Teilnahme Ernst Reepmakers als einer der Initiatoren des Centrums für Dramaturgische Studien Wien (CDS) – dieses möchte gemeinsam mit RASENNA die Vision eines Kulturortes auf dem Gelände des Hauptbahnhofs (alte Auswandererhalle) umsetzen und einen Ort, eine bezahlbare Plattform für professionelle, disziplinübergreifende und unabhängige Kulturarbeit schaffen, der auf das neue Stadtentwicklungsgebiet ausstrahlt und verbindet.

Mehr noch, wir freuen uns auf die künftige Projektvielfalt und auf die Teilnahme von Friedrich Leitgeb als einem der Mitglieder des Hofkollektivs Wieserhoisl – dieses möchte gemeinsam mit RASENNA die Vision einer kollektiven biologischen Landwirtschaft in Deutschlandsberg langfristig absichern.

Darüber hinaus stellen wir euch den Entwurf zur Gründungserklärung RASENNA mit Stiftungsorganigramm vor.

Nicht zuletzt freuen wir uns aber insbesondere auf Euch – bekannte und noch unbekannte Gesichter – die ihr Euch über den Stand der Dinge bei RASENNA informieren beziehungsweise mit eigenen Ideen und Initiativen anknüpfen möchtet!

Wir bitten Euch um eine kurze Anmeldung per E-Mail!

Wann: Mittwoch, 27. April 2016, Beginn 18:00 Uhr

Wo: Wohnprojekt Wien, Krakauer Straße 19, am Rudolf-Bednar-Park, 1020 Wien

Sinnstiftung1

Bald sind es 14 Jahre und der Geburtstag ist wahrlich ein Grund zum Feiern, denn die Initiatoren der Stiftung trias in Deutschland sind Pioniere gewesen, weil sie eine Idee absichern helfen und weitertragen. Eine Idee der sich mittlerweile 30 Projekte angeschlossen und ihren Grund und Boden in die Stiftung eingebracht haben.

Um die 2000er Jahre stand die Fragestellung nach der Sicherung ideeller Zwecke im Raum, Anthroposophen fragten nach einem Bodenträger. Die vier Hauptinitiatoren um Gerda Helbig, Anne Dellgrün, Wolfgang Kiehle und Rolf Novy-Huy fanden die Lösung und gründeten im März 2002 die gemeinnützige Stiftung trias. Die damals erforderlichen etwas über 70.000 DM wurden im Bekanntenkreis und Netzwerk eingesammelt. Daher ist für trias auch der Name Bürgerstiftung naheliegend. Das erste Projekt kam kurze Zeit darauf als Zustiftung in die Stiftung. trias ist in vielerlei Hinsicht keine herkömmliche Stiftung, da im Mittelpunkt die Idee steht. Die Idee neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens zu leben und den geeigneten Rechtsrahmen hierfür anbieten zu können. Da gemeinschaftliches Wohnen der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, leistet die Stiftung trias Bildungsarbeit als integralen Bestandteil ihrer Tätigkeit. Ihre Broschüren sind mittlerweile sehr gefragt, sodass bereits Exemplare ihren Weg in die Nationalbibliothek gefunden haben. Der Erfolg ließ sie dennoch am Konzept des Eigenvertriebes mit Unkostenpauschale festhalten, statt auf die Verlagsschiene zu wechseln.

Neben der Bildung und der Absicherung der ideellen Zwecke als Verwalterin der Grundstücke für Projektgruppen war bereits in der Gründung der Aufbau des Wohnprojekteportals ein wichtiges Ziel. Heute ist dieses Portal deutschlandweit die führende Plattform. Einerseits vernetzt es Projektinitiatorinnen und -initiatoren mit jenen, die Projekte suchen, sowie jenen die Projektgruppen professionell begleiten können. Andererseits ist das Portal auch Informationsgeber, so sind dort auch viele Fördermöglichkeiten zu finden, die kommunal sehr unterschiedlich ausfallen können. Daher lebt das Wohnprojekteportal insbesondere von den Rückmeldungen der Aktiven und der Weiterleitung von Informationen an die Stiftung trias.

Was macht die Stiftung trias aus? Mit einem gewissen Maß an Finanzmitteln, mit viel Erfahrung und angehäuftem Wissen und nicht zuletzt als bekannter zuverlässiger Partner ist sie heute die Ansprechpartnerin für gemeinschaftliche Wohnprojekte. „Wir sind nicht dazu da, noch ein weiteres Projekt in die Welt zu stellen, sondern die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und was es dazu braucht – die Rahmenbedingungen – zu informieren und diese zu verbessern.“ Ungeachtet dessen ist sich die Stiftung trias heute durchaus bewußt, dass sie mittlerweile als Türöffner für Projekte fungiert, und Projektgruppen und Entscheidungsträger leichter zueinander finden lässt. Soweit es sich um Projekte handelt, die sich mit der Stiftung trias über Grundstücke verbinden, verlangt die Stiftung trias ab einer gewissen Größe eine professionelle Begleitung der Projektgruppen. Denn Verantwortung verpflichtet, und die Idee und Stiftung, die diese trägt, darf nicht gefährdet werden. Die Finanzierungsmodelle sind individuell. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass eine Drittelung der Last angestrebt wird. So ist ein Drittel aus Eigenmitteln aufzustellen, ein Drittel aus Zustiftungen oder Darlehen und das dritte Drittel kann als Fremdfinanzierung über die Stiftung laufen und wird mit dem Erbbaurechtszins abbezahlt. Für die Fremdfinanzierung kann trias zum großen Teil auch private Gläubiger gewinnen. Ist die Finanzierung, nach zum Beispiel 30 Jahren, ausbezahlt, läuft der Erbbauzins (die deutsche Bezeichnung für Baurechtszins) zumeist in Höhe von vier Prozent weiter. Das hierdurch angesparte Geld dient dem Stiftungszwecks, der Unterstützung künftiger Projekte. Das Erbbaurecht wurde in Deutschland 1919 ins Leben gerufen, somit ein sozialistisches Recht, das die lauten Abschaffungsrufe der Ära Ludwig Erhard überstand. Ein sozialistisches Recht also, dass heute wieder für das Gemeinwohl eingesetzt wird. In Österreich wurde das Baurecht bereits 1912 mit dem Baurechtsgesetz BauRG, also noch zu Kaiserzeiten installiert.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Stiftung trias wissen Vorstandsmitglied Lisa Hugger und Geschäftsführer Rolf Novy-Huy, dass sich auch eine Stiftung weiterentwickelt. Die damals mit vielen Stifterinnen und Stiftern ins Leben gerufene Stiftung, hat heute einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeitern in Teilzeit, einen ehrenamtlichen dreiköpfigen Vorstand und ein neunköpfiges Kuratorium. Letzteres ist mit erfahrenen Projektvertretern besetzt, dazu fachliche Expertinnen und Experten, allesamt gut verteilt über das deutsche Bundesgebiet. Dieses Kuratorium ist das Aufsichtsorgan der Stiftung. Eine künftige Verteilung der Geschäftsführung auf mehrere Personen wäre erstrebenswert. Auch die Stifterinnen und Stifter und die Projektgruppen könnten künftig ein Angebot zur Mitgestaltung in der Stiftung erhalten, etwas was zur Zeit der Stiftungsgründung einfach nicht im Raum stand.

Es war nicht das erste Gespräch mit der Stiftung trias, wir freuen uns auf die künftig engere Kooperation und arbeiten daran sie dieses Jahr in Österreich zum Gründungsfest unserer RASENNA Stiftung begrüßen zu dürfen.

PregärtnerInnen

Von Julianna Fehlinger

Seit zwei Jahren lebe ich in Pregarten im Mühlviertel auf einem Hof mit zwei weiteren Frauen und einem Elternpaar. Auf dem 26ha großen Betrieb mit Milchkühen und Mastrindern bauen wir zusätzlich Getreideraritäten an. Ich habe mich mit Landwirtschaft aktivistisch schon länger bei agrarattac und im Rahmen meines Sozioökologie-Studiums beschäftigt. Ich würde das Problem so definieren: Der Zugang zu Boden – der wichtigsten Ressource, um Leben zu schaffen – wird in einen kapitalistischen Markt verwandelt. Boden wird durch verschiedene Prozesse wie Spekulation oder Produktion von Biotreibstoffen immer „heißer“ gehandelt und wird immer teurer. Das erschwert Projekten den Zugang zu Land, die sich für ein gutes Leben, für Antworten auf den Klimawandel, für das Ausprobieren alternativer Gemeinschaftskonzepte einsetzen wollen.

Die Landwirtschaft ist ein ökonomischer Bereich, wo wenig erwirtschaftet wird, man aber irrsinnig viele Bodenressourcen braucht, vor allem wenn es um Grünland oder Ackerbau geht – bei Gemüsebau ist die Wertschätzung der Einheit Boden höher. Es ist eigentlich unmöglich, sich da einzukaufen. Die einzig möglichen Wege wären Pachten und in unsicheren Verhältnissen leben, in einen Hof Einheiraten oder ihn geschenkt bekommen. Was auch geht und wie es bei mir zur Zeit ist, ist der Zugang über die Eltern eines/r FreundIn. Für alle Möglichkeiten muss man einen hohen Preis bezahlen, bei uns ist es z.B. so, dass es wir mit den Altbauern auszukommen müssen, was das Projekt gefährdet. Viele Veränderungen am Betrieb, in den wir all unsere Kraft stecken, sind durch diese Eigentumsverhältnisse nicht möglich.

Andere Eigentumsformen zu finden ist dringend notwendig. Die Stiftung RASENNA kann den Zugang zu Land jenen ermöglichen, die nicht den höchsten Preis zahlen können, aber einen großen Nutzen für Umwelt und Gesellschaft erbringen wollen. Deshalb freue ich mich, dass es diese Idee nun auch in Österreich gibt.