FAQ Projektbegleitung

In einem Interview mit Hannes Zagar werden die wichtigsten und häufigsten Fragen in Bezug auf die Partnerschaft von RASENNA mit Projektgruppen und GrundstückseiegntümerInnen erörtert.

Welchen Projekten möchte RASENNA eine Partnerin sein?

Wenn wir von Projekten sprechen, meinen wir gemeinschaftliche Projekte. Es gibt immer mehr Leute, die heute selbst anpacken und mitgestalten wollen, statt nur zu konsumieren, was angeboten wird. Und die sich dafür mit Gleichgesinnten zusammenfinden.

Und wenn wir von Projekten sprechen, dann meinen wir solche, die für ihre Umsetzung Grund und Boden erwerben oder nutzen. Egal ob darauf ein Wohnprojekt entsteht, eine Landwirtschaft, ein Kultur- oder Sozialzentrum oder vieles mehr.

Warum stellt ihr bei RASENNA die gemeinschaftliche Nutzung in den Mittelpunkt?

Die gemeinschaftliche Nutzung von Grund und Boden war von je her eine bekannte und sehr erfolgreiche Methode, um der Gemeinschaft Zugang und Nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Land nicht „übernutzt“ wird. Über viele Jahrzehnte sind in unterschiedlichsten Teilen der Welt Landstriche von Gemeinschaften genutzt und gleichzeitig auch gepflegt worden (siehe auch unseren Artikel zu Allmende/Commons).

Erst mit der Durchsetzung des Eigentums an Grund und Boden ist diese gemeinschaftliche Nutzung verdrängt worden. Es gibt natürlich immer noch eine Reihe von EigentümerInnen, die ihre Grundstücke nutzen und pflegen, also sorgsam damit umgehen. Dazu gehören mit Sicherheit alle gemeinschaftlichen Projekte.

Wo seht ihr denn die Problematik, wenn die Nutzerin auch gleichzeitig die Eigentümerin ist?

Ein wesentliches Risiko des Eigentums ist die potentielle Möglichkeit des Verkaufs. Wir sprechen hier bewusst von der potentiellen Möglichkeit, weil wir nicht davon ausgehen, dass Gemeinschaften IHREN Grund verkaufen wollen – die Möglichkeit aber gibt es. Diese Möglichkeit kann durch Druck von Innen oder auch von Außen zu einer realen Möglichkeit werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind. So könnten beispielsweise die Gläubiger kommen und den Grund wollen. In den alten Gemeinschaften gab es diese Möglichkeit nicht. Der Grund war nicht im Eigentum, konnte also weder belastet noch verkauft werden.

RASENNA schaltet diese Möglichkeit mit der Rechtskonstruktion der gemeinnützigen Stiftung aus. Die Gemeinschaftsprojekte sind tatsächlich nicht EigentümerIn, es gibt also keine reale Möglichkeit des Verkaufs oder der Belehnung bzw. Belastung mit Krediten. Belehnt werden können nur die Gebäude auf dem Grundstück. Damit können keine Begehrlichkeiten für den Grund und Boden entstehen.

Nun könnte doch jedes Projekt seine eigene gemeinnützige Stiftung gründen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Jedoch ist die Gründung und der Betrieb einer gemeinnützigen Stiftung mit Aufwand verbunden. Auf viele Schultern aufgeteilt, ist es weitaus leichter und in sich selbst ein begleitendes generationsübergreifendes Projekt für Gemeinschaftsprojekte. Daher verstehen wir die gemeinnützige Stiftung RASENNA als Werkzeug, dass wir zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen wollen.

Ihr wollt also Projekte unterstützen – was ist euer Anliegen dahinter?

Uns geht es AUCH um das Sichtbarmachen nach außen. Es geht darum ein Signal zu setzen, über das eigene Projekt hinaus zu zeigen, dass es auch anders geht: Ohne Eigentum an Grund und Boden, ohne Rendite für Boden oder allfällige Spekulation mit einer Wertsteigerung. Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, dass dieses Signal über das eigene Projekte hinausgeht, dass es also so etwas wie eine gemeinsame Plattform gibt, die zeigt, dass Nutzung und Pflege von Grund und Boden eine gute Alternative zu Rendite und Spekulation sind. Denn Grund und Boden ist eine endliche Ressource – unsere Lebensgrundlage – und keine Ware für den freien Markt. Dieses Sichtbarmachen sehen wir für RASENNA als eine ganz wesentliche Aufgabe an. Diese Aufgabe kann RASENNA für alle besser erfüllen, als wenn jedes Projekt für sich Gemeinschaftseigentümer ist oder womöglich eine eigene projektbezogene Stiftung zur Absicherung gründet.

Was passiert denn, wenn sich die Nutzergruppe verändert oder gar auflöst?

Zu Beginn ist es wohl für die meisten unvorstellbar, dass sich die Projektgruppe auflösen könnte oder auch nur stark verändert. Daher ist das oft ein verdrängter und damit vernachlässigter Faktor und der Umgang damit trifft die Gruppe dann meist unvorbereitet.

Wenn im Laufe eines Projektes neue Mitglieder hinzukommen, frühere weiterziehen oder gar ein Generationswechsel eintritt, kann es passieren, dass die ursprünglichen Ideen aus dem Fokus geraten und Neues an deren Stelle tritt. Das kann durchaus gut sein und eine Befruchtung bringen, doch manche Werte wollen bewahrt bleiben und vor unbedachten Veränderungen geschützt sein. RASENNA kann die Bewahrung dieser Werte für Gruppen übernehmen, wie wir auch die Wahrung der Nutzungsidee der ursprünglichen EigentümerInnen übernehmen können. RASENNA versteht sich als Begleiterin, die für die erforderliche Kontinuität Sorge trägt. Und damit auch bei dem Wunsch nach Auflösung einer Gruppe eintritt und eine passende Nachfolgergruppe für die Nutzung des Grundstücks und dessen Pflege findet.

Wir bei RASENNA setzen all unsere Kenntnisse, Kompetenzen und Kontakte ein, um euch bei der Umsetzung eurer Ideen zu unterstützen, weil RASENNA davon überzeugt ist, dass der Weg zu einem sorgsamen Umgang mit Land nur über Gemeinschaften führen kann – zu einem Boden mit Zukunft.

In welchem Fall können Menschen euch mit ihren Ideen und Vorhaben anrufen?

Wir freuen uns über jeden Kontakt von Projektgruppen und GrundstückseigentümerInnen. Wir setzen uns gern mit dem jeweiligen Anliegen auseinander – unterstützend, begleitend und kooperierend – wenn es uns gemeinsam einem Boden mit Zukunft näher bringt.


Unser Zuständiger für Projektbegleitung, Hannes Žagar, freut sich darauf, von Dir und Deinem Projekt zu hören.

cds

Das Interview mit Ernst Reepmaker von der Intiative CDS – Centrum für Dramaturgische Studien – führte Beatrice Stude

RASENNA: Ihr wollt für die Freie Szene einen freien Kulturort ins Leben rufen – warum?

Ernst Reepmaker: Die heutige Situation für die meisten frei arbeitenden Podium-Künstler lässt sich anhand eines Bildes verdeutlichen: Ein Bauer geht in den Hühnerstall mit rund 240 Hühnern. Er hat nur 40 Maiskörner, um sie zu füttern. Jetzt geht er in den Stall und sagt zu sich selbst: „Wie mach ich das jetzt? Gebe ich zehn Hühnern jeweils vier Körner, dann haben die wenigstens etwas davon. Die anderen bekommen dafür nichts. Ich könnte aber auch die 40 Körner nochmals zerteilen und allen Hühnern jeweils ein Sechstel Maiskorn geben. Dann ist mein Gewissen etwas beruhigt: es kriegen alle wenigstens das Gleiche. Aber so oder so, es ist einfach zu wenig!“ Die Hühner werden sich gegenseitig zerfleischen vor Neid und der Bauer muss mit seinem Frust fertig werden … Alle Hühner aber schauen hinauf zum Bauer und erwarten von diesem ihr Futter.

Können sich diese Hühner denn eigentlich „frei“ nennen? Sie sind beisammen in dem Stall, aber könnten sie denn anders? Was bräuchte es dazu? Im Grunde genommen ist es fraglich ob der Name „Freie Szene“ stimmt. Ein Großteil dieser KünstlerInnen und Ensembles ist abhängig von Subventionen von Bund und Stadt. Sonst könnten sie nicht leben!

Ich bin seit 1986 als freier Bühnen-Künstler und seit 1997 in der Freien Szene im Bereich Tanz-Theater und Organisation tätig und ich habe den erwähnten Neid unter den KollegInnen und den realen Frust als Dauerbegleiter zu Genüge kennen und ertragen gelernt. Jeder arrangiert sich mit diesen beiden Schattengestalten.

Wie wollt ihr das ändern?

Heute ist es praktisch so, als ob die Hühner dem Bauern auch noch Miete zahlen würden. Wie kann man eine solche Lage wirklich neu denken? Hier muss ganz anders konzipiert werden. Die Grundidee ist den Kulturort von finanzieller Belastung zu befreien.
 Die Mieten sollen so gering werden, dass die KünstlerInnen durch die Nutzung der Räume profitieren können. Das Mietgeld fließt in den Kulturort selbst und verbessert seine Gesamtlage. So kann dieser Ort selbsttragend werden – ein freier Ort.

Wir wollen eine organisatorische Infrastruktur aufbauen, wodurch jeder Künstler Vorteile daraus zieht, dass die anderen auch da sind. Dass man eine Gemeinschaft herausbildet. So bekommt jede Gruppe ein größeres Umfeld. So entsteht eine Situation wo alle durch die Präsenz der anderen gewinnen.

Wer steht hinter CDS?

Wenn ich alle zusammenzähle, dann würden es wohl momentan an die fünfzig sein. Das heißt Künstler, die zugesagt haben, dass sie sich mit der Sache verbinden werden. Die Künstlerinnen und Künstler sind natürlich gut vernetzt. Diese Vernetzung kommt mit in die Initiative.

Sobald wir angefangen haben neue Dinge zu denken, dann passiert es: Es tauchen andere Initiativen auf – wie beispielweise SMart. Die versuchen für die Freie Szene Finanzmanagementtools anzubieten. Wo den Künstlern gewisse Arbeiten abgenommen werden, die diese sonst neben ihrer künstlerischen Tätigkeit machen müssen, z.B. Buchhalten oder den gesamten Vertragsabschluss. SMart fordert die Künstlerhonorare ein und zahlt die Honorare pünktlich aus – auch wenn diese erst später von den Veranstaltern kommen sollten. SMart bietet ein enormes Know-how.

Eine weitere Idee ist eine Gastronomie aufzubauen mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Behinderungen. Das ist wieder so eine Initiative. Die sich mit uns verbinden wird. Reale Arbeitsmöglichkeiten mit Betreuung für diese Menschen anzubieten.

Wir wollen diese Initiative für einen freien Kulturort offen gestalten. Wir wollen Beziehungen eingehen. Wir wollen im pädagogischen Bereich arbeiten. Soziale Kompetenzen und dialogische Fähigkeiten über künstlerische Projekte aufbauen, einem interkulturellen Dialog Raum geben und gestalten – selbstverständlich im 10. Bezirk!

Warum habt ihr dafür Favoriten ausgesucht?

Die Situation im 10. Bezirk ist, dass Lebensqualität und Nachbarschaft von den Bewohnern als sehr schlecht empfunden werden. Wir freuen uns, dass uns gerade die Gebietsbetreuung sehr helfend unterstützt (siehe: Lebensqualität in Wien 1995 – 2013).

Wir wollen unsere Kunst, unsere Auffassung von Kultur in die Umgebung tragen und auf- und mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen abstimmen. Wir wollen kein Programm, das auf Basis von Subventionen hochgehalten werden muss. Es soll durch den Dialog mit den Menschen im Umkreis seinen Wert bekommen und das Einkommen entstehen. Wir werden aktiv mit vielen bestehenden Kulturorganisationen Kooperationen suchen – wie ImPulsTanz, Caritas, Brunnenpassage und natürlich bestehenden Initiativen vor Ort. Das können auch ganz kleine sein. Dadurch, dass wir hier eine gesellschaftliche Aufgabe übernehmen, wird es unter Umständen interessant hier zu fördern.

So bedeutet FREI in diesem Sinne: Wenn ich mich im Dialog mit meiner Umgebung auf Notwendigkeiten oder Chancen und Möglichkeiten einstelle und damit arbeite, dann werde ich frei. Das steht in großem Gegensatz zu dem Frust, der sich derzeit entwickelt. UND dass durch die Kulturarbeit die Lebenssituation der Menschen verbessert wird – jener Menschen, die dort wohnen.

Es ist mittlerweile bekannt aus vielen Großstädten, dass die Künstlerarbeit viele positive Folgen gehabt hat, z.B. ExRotaprint in Berlin. Die Kultur hat in vielen Bereichen weitaus bessere Lebensbedingungen geschaffen. Und nach einer gewissen Zeit haben sich dort viele verschiedene neue Menschen angesiedelt.

Die Attraktivierung hat auch eine dunkle Seite: die Gentrifizierung. Wodurch auch der ökonomische Druck auf das Kulturhaus von außen steigen könnte…

Da gibt es mit euch zum Glück die RASENNA Initiative, die hier den Druck beziehungsweise die Bedrohung im Zuge der Gentrifizierung von unserem Kulturort fernhalten soll. Und uns hier dauerhaft Sicherheit bieten kann.

Warum ist euch die Kombination mit der RASENNA Initiative so wichtig?

Darauf habe ich zwei Antworten: Prinzipiell halte ich für sehr wesentlich, dass es eine Initiative wie RASENNA gibt. Die dafür eintritt, dass Boden anders betrachtet wird, statt als Spekulationsobjekt. Boden muss primär ein Möglichkeitsraum sein und nicht ein Finanzobjekt! Das andere ist, dass man Boden eigentlich nicht besitzen kann – das ist für mich ein Unding.

RASENNA greift beide Aspekte auf und setzt sich aktiv dafür ein. Als Gruppe tragen sie zur Verbreitung dieser Gesichtspunkte bei, nicht über Revolution, sondern über reale Initiative, Konzepte und Kontakte – und arbeiten an der unmittelbaren Umsetzung dieser Ideen.

Als Mensch bin ich sehr beglückt, dies mit RASENNA als Gruppe zu betreiben. Da sich hier in mehrere Richtungen die verschiedenen Kompetenzen gut verknüpfen. Dadurch werden Dinge bearbeitet, die CDS allein nicht abdecken kann. RASENNA ist uns hier eine enorme Hilfe bei der Verdichtung des Gedankengutes – Prinzipien, Statuten, Organisation etc. – sodass sich diese unsere offene Gesinnung auf Augenhöhe dann auch verwirklichen und leben lässt. Der Gedanke gelangt damit bis ins Wort, sodass man sich darauf wirklich abstützen kann. Und das gibt viel Vertrauen.


Link: CDS – Centrum für Dramaturgische Studien Wien

Sargfabrik

Ute Fragner und Robert Korab haben uns mit ihrem Verein für integrative Lebensgestaltung vertraut gemacht. Eine Reportage von Beatrice Stude.

In der Energie der Arena- und WUK-Besetzung, Hainburg und dem „Nein“ zu Zwentendorf begann ihre Utopie. Der Übergang aus der studentischen Wohngemeinschaft war Antrieb für die Suche nach einer passenden Lebensform. Doch die Frage nach dem idealen Lebensraum griff zu kurz. Der gesellschaftspolitische Antrieb integrativ leben zu können, war es der zehn Jahre Vorbereitungszeit durchhalten ließ. Heute nach 20 Jahren hat die Anerkennung über die Furcht gesiegt. Die Sargfabrik ist etabliert und weiter gesellschaftspolitisch engagiert. Sicher ist sie auch einer der Auslöser für die heutige Baugruppenvielfalt. Doch ist heute alles leichter geworden? 

Unser Vorhaben braucht viele Schultern – 100 Personen war die Zielgröße, die eine Kultur entstehen lassen, die auch wachsen, sich entwicklen und erhalten kann.“ Mit ihrem Verein für integrative Lebensgestaltung (VIL) wollten sie vor allem auch die Lebens- und Arbeitswelt wieder miteinander verbinden. Diese Idee konnte nicht in der damals visionierten Art (beispielsweise mit eigener Tischlerei) umgesetzt werden. Aber von einem reinen Wohnprojekt ist die Sargfabrik weit entfernt. Kindergarten, Badehaus mit Schwimmbad, sowie Kulturort und Treffpunkt: Die Sargfabrik bietet heute etwa 20 Arbeitsplätze. Auch wenn es sich dabei nicht immer um Vollzeitstellen handelt, ist die Bilanz bemerkenswert. Der Kindergarten hat 47 Plätze, ist dreisprachig – deutsch, türkisch und serbokroatisch – und versorgt das umliegende Grätzel. Dazu kommt ein Hort mit 14 Plätzen und angedacht ist eine Kleinkindergruppe (halbtags) mit 8 Plätzen. Das Lokal ist verpachtet und bietet als soziolökonomischer Betrieb weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Problemen am Arbeitsmarkt, ihren TrainerInnen und AusbildnerInnen.

Die Sozialdemokratie hat in der Anfangsphase des Projekts sehr unterstützt. Der damalige Wohnbaustadtrat Rudolf Edlinger hatte kurzerhand bei der städtischen Zentralsparkasse ein gutes Wort für die Vergabe eines Kredites für den Grundstückskauf eingelegt. Die Konditionen waren so gut, wie sie für eine unbekannte Gruppe mit einer Vision sonst schwer gewesen wären. Doch für einen Bankkredit hätte es damals wahrscheinlich auch ohne Unterstützung der Stadt gereicht. Es war lange vor Basel II, vor der 2007 umgesetzten restriktiv vorgeschriebenen Absicherung durch Eigenkapital.

Die Gebäude selbst sind mit Mitteln der Wohnbauförderung Wiens errichtet worden. 

Heute steht die Förderung gemeinschaftlicher Baugruppenprojekte in der Kritik. Zurecht, da für Wohnheime die Einkommensgrenzen nicht gelten und damit die soziale Treffsicherheit der Förderung in Frage gestellt wird. Doch statt nun einfach keine Baugruppenprojekte mehr zu fördern, sollte die Förderung angepasst werden! Warum gemeinschaftliche Wohnprojekte stattdessen nicht als klassische Wohnprojekte errichtet werden, hat vor allem zwei Gründe, denn bautechnisch kommt die Errichtung finanziell kaum günstiger. Erstens: Die BewohnerInnen eines Wohnheims erhalten nicht dieselben Rechte wie MieterInnen nach dem Mietrechtsgesetz, das lässt den notwendigen Gestaltungsspielraum für die Gemeinschaft. Zweitens: Die weitaus geringere Pkw-Stellplatzverpflichtung schafft Raum und Geld für Gemeinschaftsnutzungen. In der Sargfabrik gibt es für 65 Wohnungen 7 Pkw-Stellplätze. Ein eigenes Auto besitzen auch heute nur etwa 1/3 der Haushalte in der Sargfabrik.

Gemeinwohltätigkeit und Belebung des Grätzels mit all seinen direkten und indirekten positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität aller – ist das nicht förderungswürdig? Auf jeden Fall und sollte es auch! Nur muss hier sauber getrennt und darf nicht alles mit der Wohnbauförderung vermischt werden. Eine Einkommensgrenze für die Wohnheimwidmung wäre sehr zu begrüßen und damit (wieder) sozial. Punkt. Darüber hinaus wäre eine Beschränkung der Wohnfläche pro Person sehr sinnvoll. Wenn es die Förderung vorschreibt, tut sich eine Gemeinschaft wie die Sargfabrik viel leichter darin, Menschen, deren Kinder ausgezogen sind, für kleinere Wohnungen im Projekt zu motivieren. Für die Einrichtungen des Gemeinwohls und der Belebung des Grätzels sollte es geeignete Förderungen geben – oder besser noch Steuerbegünstigungen. Letzteres macht unabhängig und Projekte besser planbar.

Was bleibt nach zwanzig Jahren? „Wir sind sicher konservativer geworden, aber die Grundideen haben Bestand.“ So liegt die Miete bei ca. neun Euro pro Quadratmeter – inklusive Heizung, Warmwasser, Telefongrundgebühr und Versicherung wohlgemerkt! Zehn Prozent der Mieteinnahmen subventionieren die Kultureinrichtungen, so wie es damals festgelegt wurde. Wer finanziell in Not gerät wird aus dem eigenen Sozialfonds unterstützt. Eine Einrichtung, die wohlweislich aufgrund der Rechtsform „Wohnheim“ vorgesehen wurde, da WohnheimbewohnerInnen keinen Anspruch auf Mietzinsbeihilfe von der Gemeinde Wien haben. So sorgt die Sargfabrikgemeinschaft für ihre Mitglieder, entlastet den Staat und trägt selbst ein stückweit zur Verteilungsgerechtigkeit bei. Selbstkritisch würden sie heute Folgendes anders machen: Beim Aufsetzen eines neuen Projektes würden sie die Finanzierungeinlagen nicht mehr wertsichern, da es den Einstieg für Neulinge ins Projekt erheblich verteuert. 

Heute leben ungefähr 250 Erwachsene inklusive Kindern und Jugendlichen in der Sargfabrik. Wie ist ein Verein mit einer solchen Mitgliederzahl entscheidungsfähig? Es gibt 110 ordentliche Vereinsmitglieder, das sind jene, die Einlagen in den Verein eingebracht haben, die mitentscheiden dürfen. Ziel ist nach wie vor der Konsens, wenn dieser nicht möglich ist, erfolgt die Entscheidung mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Ideal ist das nicht, es hinterlässt Narben. 

Wenn alles so gut läuft und sich alle wohl fühlen, warum hat sich die Sargfabrik nicht vergrößert? Der Erfolg der Sargfabrik ist auch gleichzeitig ihr eigener Feind. Gentrifizierung, Verdrängungsprozesse zulasten finanzschwacher Bevölkerungsschichten wurden ausgelöst. Oder anders gesagt: Die Belebung des Grätzels hat die Grundstückspreise im Umfeld zusätzlich zu den generell steigenden Grundstückskosten in Wien steigen lassen. Andere Bauprojekte werben mittlerweile mit ihrer Sargfabriknähe und deren Einrichtungen für sich – unabgestimmt. Mit der „Miss Sarg“ gab es im Jahr 2000 eine Erweiterung. Doch es ist nicht so recht zusammengewachsen. Die Verbundenheit entsteht durch tägliche Nähe, die aber fehlt bei über 50 Metern Entfernung, zur zweiten Gemeinschaft, die in einem anderen Wohnblock lebt. So könnten Sargfabrik und Miss Sarg heute auch zwei Projekte sein, die sich derselben Sache verschrieben haben. Eine dritte Erweiterung wäre daher nur mehr im direkten Anschluss denkbar. Doch der Grund ist teuer. 

Die Idee, eine Erweiterung über den Bau von Eigentumswohnungen quer zu finanzieren, wurde schnell verworfen. Es wäre inkonsequent sich der Mechanismen des kapitalistischen Marktes zu bedienen, die sie selbst verurteilen.

Ein Fazit bleibt: Alles lässt sich lösen, nur der Zugang zu bezahlbaren Grundstücken nicht. Das ist die heutige Herausforderung für alle Projekte. Und aus diesem Grund begrüßt auch die Sargfabrik RASENNAs Initiative, ein Angebot zu schaffen um andere Wege zu gehen.


Link: Sargfabrik

Veranstaltung1.1

Die Funken haben gesprüht beim RASENNA Jahrestreffen. Das lag an sehr berührenden Erzählungen, an gesellschaftspolitischen Appellen und mitreißendem Engagement für Boden mit Zukunft!

In vielen persönlichen Gesprächen wurde auch an diesem Abend klar, in welch unterschiedlichen Bereichen der Bedarf nach unserer gemeinnützigen Bundesstiftung RASENNA besteht. Die Frage, wie und wo man leben soll, betrifft jedeN EinzelneN und hat immer mit Eigentumsverhältnissen zu tun. Wie kann ich den gepachteteten Hof langfristig absichern, kann ich bei steigenden Mietpreisen in meiner Wohnung bleiben, soll ich den Schritt in die Gemeinschaft wagen? Wie können KünstlerInnen freier arbeiten und sich wirklich ihrer Kunst widmen?

Diese Themen spiegelten sich auch in den Vorstellungsrunden konkreter Initiativen wider. Heinz Feldmann von der Wohnprojekte Genossenschaft WoGen ist Kooperationspartner und Mitstreiter für die gemeinsame Sache. Ein Projekt aus der Wiener Kunstszene – das Centrum für Dramaturgische Studien – wurde von Ernst Reepmaker vertreten, der auf die prekäre Situation der freien Theaterszene aufmerksam machte und die Notwendigkeit für einen unabhängigen freien Ort für Kulturschaffende aufgezeigt hat. Das zweite Projekt des Abends stellte uns Friedrich Leitgeb mit dem Wieserhoisl vor, auf dem fast schon berühmten Hofkollektiv in der Steiermark leben und landwirtschaften elf Menschen gemeinschaftlich. Der Hof steht zum Verkauf und seine Zukunft ist ungewiss.

Einen spürbaren Motivationsschub hat uns schließlich Dr. Verena Winiwarter beschert, die in ihrem Vortrag vor allem auf die ökologische und gesellschaftspolitische Relevanz unserer Initiative RASENNA zum Schutz des Bodens einging. Die Umwelthistorikerin und Wissenschaftlerin des Jahres 2013 sieht es als ihre Aufgabe, auf einer breiten Linie anhand des Wirkens zwischen Menschen und ihrer Umwelt auf die Folgen des verschwenderischen Umgangs mit Boden aufmerksam zu machen. In unsicheren Zeiten hilft der fundierte Blick in die Geschichte, um Bewährtes zu wiederholen und fundierte Entscheidungen für eine nachhaltige Zukunft zu treffen. Damit ermutigt sie, aktiv an Alternativen mitzuarbeiten.

Ans aktive gemeinsame Arbeiten ging es gegen Ende des Abends, als sich die große Runde auf vier Weltcafés zu unterschiedlichen Themen aufteilte. Zu den Bereichen Stiftungsgründung, Vernetzung, Publikationen und Projekte entwickelten sich rege Diskussionen, Gespräche und Anregungen für die Unterstützung unserer nächsten Schritte: Die gemeinnützige Bundesstiftung RASENNA zu gründen. Sanft ließen wir den informativen und spannenden Abend in geselliges Miteinander bei Buffet und Getränken ausklingen.

Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Planeten beträgt: 1 – Leicht zu merken, wird aber trotzdem häufig vergessen. Wir haben konkret gezeigt, was wir in Österreich für die Haut unserer Erde tun können. All jenen Menschen, die uns daran erinnern helfen und an einem besseren Umgang mit unserer Lebensgrundlage – Grund und Boden – mitwirken, ein Riesendankeschön!

Unterstützt uns weiter, unsere Initiative RASENNA auf sichere Beine zu stellen, damit wir weiter informieren, vernetzen und Projekte absichern zu können. Damit Wissen, Beziehungen und Grund & Boden wieder zur Allmende werden – zu Commons!

stefan

Ein traumhafter Blick über Linz und doch so in der Natur. Stefans Hof liegt am Hügel über Linz im Grüngürtel, den auch Stadtplanung und Politik in absehbarer Zeit nicht in einen Speckgürtel umwandeln wollen. Der Hof, erstmals 1417 urkundlich erwähnt, gehört ihm zur Hälfte, die andere Hälfte nutzen drei Parteien, die teils dort leben, teils es nur als Wochenendbleibe nutzen.

Die Türen verraten anspruchsvolle Handwerkskunst, und als wir die Tischlerwerkstatt betreten haben wir die Erklärung. Wenig Maschinen, viel Handarbeit – eine Kunst eben, die heut immer mehr verloren geht. „Es gibt vieles was erhalten werden sollte, da es uns sonst unwiderbringlich verloren geht.“ So unterstützt Stefan auch die Samenbankerhaltung der Arche Noah. Letztes Jahr waren es vor allem Tomaten, Bohnen und Mais, die er angebaut hat. Die Samen gibt es kostenlos unter der Bedingung, dass man ein bestimmtes Kontingent an Samen zurück gibt. Was bleibt ist leckeres Gemüse zur Selbstversorgung. Dazu hat er noch vier Schafe. Die 40 Hendln musste er leider aufgeben, da die Arbeit für ihn allein einfach zuviel war.

Zwei Tage in der Woche arbeitet Stefan auswärts und hilft bei Wohnungsräumungen mit – weil es Spaß macht. Das ein oder andere Stück findet dann auch seinen Platz in die Wohnräume des Hofes, die neu hergerichtet werden. Stefan möchte ein Konzept entwickeln und gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas aufbauen. „Temporär hab ich immer wieder Unterstützung von Woofern und anderen Helfern, aber eine langfristige und verbindlichere Gemeinschaft wäre mir viel lieber.“ Zu einem anderen Projekt gehen möchte er im Moment nicht, da er nach 30 Jahren hier schon recht verwurzelt ist.

Für eine weitgehende Selbstversorgung bräuchte es mehr Land, als seinen halben Hektar. Auf den Nachbarliegenschaften standen einmal 400 Obstbäume mit alten Sorten. Heute sind es nur mehr ein Drittel. Ein Großteil musste der maschinellen Bewirtschaftung des Nachbarn weichen. Auf den 3.000 m2 die Stefan erwerben konnte wachsen nun (wieder) seltene Obstsorten, wie zum Beispiel die Schweizer Hosenbirne, die dreifärbig gestreift ist. Mit der zusätzlichen Kraft von weiteren Menschen hofft er, noch mehr Grund erwerben und bewirtschaften zu können.

Über Stefan haben wir auch die Gemeinschaft miteinander Leben – Piesingmühle kennenlernen dürfen. Durch sie hat er die zwei Rechtsformen Verein und Stiftung für die Eigentümerschaft recht direkt miterlebt. Zumindest gegenüber der projekteigenen Stiftung hegt er daher eine gewisse Skepsis, da diese im konkreten Fall zu starr und vor allem auch im Hinblick auf die Stiftungsorgane nicht gut aufgesetzt war.

Die Zukunft ist offen, doch eines steht umumstößlich für ihn fest: „Egal wie es kommt, vererben werde ich es nicht!“

Wer selbst gern im Raum Linz in einem landwirtschaftlichen Gemeinschaftsprojekt mitarbeiten, mitgestalten und mit Stefan in Kontakt treten möchte, meldet sich bitte bei uns unter info@rasenna.at.

Sinnstiftung1

Bald sind es 14 Jahre und der Geburtstag ist wahrlich ein Grund zum Feiern, denn die Initiatoren der Stiftung trias in Deutschland sind Pioniere gewesen, weil sie eine Idee absichern helfen und weitertragen. Eine Idee der sich mittlerweile 30 Projekte angeschlossen und ihren Grund und Boden in die Stiftung eingebracht haben.

Um die 2000er Jahre stand die Fragestellung nach der Sicherung ideeller Zwecke im Raum, Anthroposophen fragten nach einem Bodenträger. Die vier Hauptinitiatoren um Gerda Helbig, Anne Dellgrün, Wolfgang Kiehle und Rolf Novy-Huy fanden die Lösung und gründeten im März 2002 die gemeinnützige Stiftung trias. Die damals erforderlichen etwas über 70.000 DM wurden im Bekanntenkreis und Netzwerk eingesammelt. Daher ist für trias auch der Name Bürgerstiftung naheliegend. Das erste Projekt kam kurze Zeit darauf als Zustiftung in die Stiftung. trias ist in vielerlei Hinsicht keine herkömmliche Stiftung, da im Mittelpunkt die Idee steht. Die Idee neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens zu leben und den geeigneten Rechtsrahmen hierfür anbieten zu können. Da gemeinschaftliches Wohnen der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, leistet die Stiftung trias Bildungsarbeit als integralen Bestandteil ihrer Tätigkeit. Ihre Broschüren sind mittlerweile sehr gefragt, sodass bereits Exemplare ihren Weg in die Nationalbibliothek gefunden haben. Der Erfolg ließ sie dennoch am Konzept des Eigenvertriebes mit Unkostenpauschale festhalten, statt auf die Verlagsschiene zu wechseln.

Neben der Bildung und der Absicherung der ideellen Zwecke als Verwalterin der Grundstücke für Projektgruppen war bereits in der Gründung der Aufbau des Wohnprojekteportals ein wichtiges Ziel. Heute ist dieses Portal deutschlandweit die führende Plattform. Einerseits vernetzt es Projektinitiatorinnen und -initiatoren mit jenen, die Projekte suchen, sowie jenen die Projektgruppen professionell begleiten können. Andererseits ist das Portal auch Informationsgeber, so sind dort auch viele Fördermöglichkeiten zu finden, die kommunal sehr unterschiedlich ausfallen können. Daher lebt das Wohnprojekteportal insbesondere von den Rückmeldungen der Aktiven und der Weiterleitung von Informationen an die Stiftung trias.

Was macht die Stiftung trias aus? Mit einem gewissen Maß an Finanzmitteln, mit viel Erfahrung und angehäuftem Wissen und nicht zuletzt als bekannter zuverlässiger Partner ist sie heute die Ansprechpartnerin für gemeinschaftliche Wohnprojekte. „Wir sind nicht dazu da, noch ein weiteres Projekt in die Welt zu stellen, sondern die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und was es dazu braucht – die Rahmenbedingungen – zu informieren und diese zu verbessern.“ Ungeachtet dessen ist sich die Stiftung trias heute durchaus bewußt, dass sie mittlerweile als Türöffner für Projekte fungiert, und Projektgruppen und Entscheidungsträger leichter zueinander finden lässt. Soweit es sich um Projekte handelt, die sich mit der Stiftung trias über Grundstücke verbinden, verlangt die Stiftung trias ab einer gewissen Größe eine professionelle Begleitung der Projektgruppen. Denn Verantwortung verpflichtet, und die Idee und Stiftung, die diese trägt, darf nicht gefährdet werden. Die Finanzierungsmodelle sind individuell. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass eine Drittelung der Last angestrebt wird. So ist ein Drittel aus Eigenmitteln aufzustellen, ein Drittel aus Zustiftungen oder Darlehen und das dritte Drittel kann als Fremdfinanzierung über die Stiftung laufen und wird mit dem Erbbaurechtszins abbezahlt. Für die Fremdfinanzierung kann trias zum großen Teil auch private Gläubiger gewinnen. Ist die Finanzierung, nach zum Beispiel 30 Jahren, ausbezahlt, läuft der Erbbauzins (die deutsche Bezeichnung für Baurechtszins) zumeist in Höhe von vier Prozent weiter. Das hierdurch angesparte Geld dient dem Stiftungszwecks, der Unterstützung künftiger Projekte. Das Erbbaurecht wurde in Deutschland 1919 ins Leben gerufen, somit ein sozialistisches Recht, das die lauten Abschaffungsrufe der Ära Ludwig Erhard überstand. Ein sozialistisches Recht also, dass heute wieder für das Gemeinwohl eingesetzt wird. In Österreich wurde das Baurecht bereits 1912 mit dem Baurechtsgesetz BauRG, also noch zu Kaiserzeiten installiert.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Stiftung trias wissen Vorstandsmitglied Lisa Hugger und Geschäftsführer Rolf Novy-Huy, dass sich auch eine Stiftung weiterentwickelt. Die damals mit vielen Stifterinnen und Stiftern ins Leben gerufene Stiftung, hat heute einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeitern in Teilzeit, einen ehrenamtlichen dreiköpfigen Vorstand und ein neunköpfiges Kuratorium. Letzteres ist mit erfahrenen Projektvertretern besetzt, dazu fachliche Expertinnen und Experten, allesamt gut verteilt über das deutsche Bundesgebiet. Dieses Kuratorium ist das Aufsichtsorgan der Stiftung. Eine künftige Verteilung der Geschäftsführung auf mehrere Personen wäre erstrebenswert. Auch die Stifterinnen und Stifter und die Projektgruppen könnten künftig ein Angebot zur Mitgestaltung in der Stiftung erhalten, etwas was zur Zeit der Stiftungsgründung einfach nicht im Raum stand.

Es war nicht das erste Gespräch mit der Stiftung trias, wir freuen uns auf die künftig engere Kooperation und arbeiten daran sie dieses Jahr in Österreich zum Gründungsfest unserer RASENNA Stiftung begrüßen zu dürfen.

Boden1

Die Allmende ist eine Rechtsform gemeinschaftlichen Eigentums. Die Begriffe Allmende, Commons, Gemeineigentum oder Gemeingut mit Ausschließbarkeitsfunktion definieren Güter, die von einer Gemeinschaft verwaltet und genutzt werden.
Die Stiftung RASENNA ist zwar Eigentümerin von Grund und Boden, hat aber selbst keine EigentümerInnen. Die Stiftung RASENNA würde an die Stelle der Eigentümerin treten und mit Baurechts- und Pachtvertrag einer Personengruppe die eigenverantwortliche Gestaltung sichern. Somit wird der Grund und Boden der Stiftung zur Allmende.

Im Jahr 2009 erhielt Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis für die Widerlegung der Theorie eines egoistischen, alle Gemeingüter zerstörenden homo oeconomicus: Ostrom konnte zeigen, dass Allmenden oder Commons nicht einfach Dinge, sondern menschliche Regelwerke sind, die durch Kommunikation entstehen. Menschen kommunizieren miteinander über die Nutzung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, um sie zu erhalten. Die komplexe menschliche Gesellschaft selbst konnte nur aus dieser Fähigkeit heraus entstehen. (Helfrich 2012: 159)

Niemand kann mir verbieten, unendlich viel Luft zu verbrauchen. Die Luft ist ein Gemeingut mit dem Charakter der Nicht-Ausschließbarkeit, ein reines öffentliches Gut. Mit Land verhält es sich anders, denn Land kann aufgeteilt, parzelliert und eingezäunt werden, kann also als Privateigentum oder als Gemeineigentum verwaltet werden. Ein solches Gemeingut mit Ausschließbarkeit wird auch als Allmende oder Commons bezeichnet. Es „gehört“ einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam über den Umgang mit ihrem Gut entscheiden. Treten Probleme der Übernutzung oder Verschmutzung auf, wird seit dem Klassiker „Die Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin die Privatisierung empfohlen. Dass diese neoliberale Folgerung angesichts massiver Umweltprobleme nicht mehr ganz so schlüssig klingt, wirft die Frage nach Alternativen auf.

Die Allmende ist eben kein rechtsfreier Raum ohne Regeln, in den jedeR eintreten darf. Wird Land als Allmende verwaltet, wird seine Nutzung eher nach dem Wohl der gesamten beteiligten Gemeinschaft und nicht nach der effizientesten Generierung von Profit ausgerichtet. Der Zugang zu Land wurde immer schon geregelt, nur die Rechtsformen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Große Landflächen wurden bis zur Einhegungsbewegung ab dem 17. Jahrhundert in Europa oft als Allmende verwaltet. Nach der Untersuchung jahrhundertealter sowie neuer Allmenden konnte Ostrom einige Prinzipien funktionierender Allmende-Institutionen ableiten (Exner 2012: 28):

  1. Klar definierte Grenzen der Nutzungsberechtigten und der Ressource
  2. Die Bereitstellungs- und Aneignungsregeln müssen lokalen Bedingungen angepasst sein
  3. Instrumente für kollektive Entscheidungen – die meisten Personen, die von den Regeln betroffen sind, können über deren Änderung mitbestimmen.
  4. Überwachung durch die AneignerInnen selbst oder durch von diesen bevollmächtigte Personen
  5. Abgestufte Sanktionen, die durch die Gruppe oder bevollmächtigte Personen vollzogen werden
  6. Konfliktlösungsmechanismen mit raschem und kostengünstigem Zugang
  7. Minimale Anerkennung des Organisationsrechtes – die Allmende wird von den staatlichen Behörden respektiert

Sind mehrere AkteurInnen an der Verwaltung einer Ressource beteiligt, dann werden kollektive Interessen eher berücksichtigt, weil unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kurzfristige Profitinteressen würden wenig Sinn machen, wenn die Ausbeutung einer begrenzten Fläche von Grund und Boden die Zerstörung der eigenen Existenzgrundlage bedeutet. Nur in einer Verwertungslogik, in der alle Lebensbereiche zu Waren degradiert werden, kann die Zerstörung der Umwelt als effizient gelten. Ressourcen gemeinsam als Allmende zu verwalten könnte Prinzipien wie Verantwortung für und Rücksicht gegenüber so wichtigen Ressourcen wie Grund und Boden wiederbeleben.

 


 

Zum Nachlesen:

Helfrich, Silke und Heinrich-Böll-Stiftung (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Transcript Verlag, Bielefeld

Exner, Andreas/Kratzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie und Commons. Reihe kritik und utopie, Mandelbaum Verlag, Wien

Sinnstiftung0

Nach einer Ruhepause im Sommer haben wir uns zwei Tage aus dem Alltag heraus genommen und im Landhotel Yspertal am 5. und 6. Oktober Klausur gesessen.

In Workshops haben wir unsere Umsetzungsstrategie erarbeitet, Arbeitskreise gebildet und die zugehörigen Verantwortlichkeiten aufgeteilt. Und natürlich unsere zwei neuen Mitstreiter*innen Margit Fischer und Paul Lauer willkommen geheißen und gleich eingebunden.

Jetzt sind wir zu sechst und starten durch!

Sinnstiftung00

Am 24. März 2015 haben wir RASENNA der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Amerlinghaus in Wien Neubau bot den passenden Rahmen für diese erste Zusammenfassung unserer Arbeit. Alles wesentlichen Informationen sind nun präsentiert – Jahresrückblick, Jahresvorausschau und ein erstes Konzept für das Stiftungsorganigramm.

Wir danken allen, die sich Zeit genommen haben, mit uns diskutiert und damit die Idee weiter entwickelt haben. Unsere Arbeit erfährt dadurch wesentliche Impulse!