FAQ Projektbegleitung

In einem Interview mit Hannes Zagar werden die wichtigsten und häufigsten Fragen in Bezug auf die Partnerschaft von RASENNA mit Projektgruppen und GrundstückseiegntümerInnen erörtert.

Welchen Projekten möchte RASENNA eine Partnerin sein?

Wenn wir von Projekten sprechen, meinen wir gemeinschaftliche Projekte. Es gibt immer mehr Leute, die heute selbst anpacken und mitgestalten wollen, statt nur zu konsumieren, was angeboten wird. Und die sich dafür mit Gleichgesinnten zusammenfinden.

Und wenn wir von Projekten sprechen, dann meinen wir solche, die für ihre Umsetzung Grund und Boden erwerben oder nutzen. Egal ob darauf ein Wohnprojekt entsteht, eine Landwirtschaft, ein Kultur- oder Sozialzentrum oder vieles mehr.

Warum stellt ihr bei RASENNA die gemeinschaftliche Nutzung in den Mittelpunkt?

Die gemeinschaftliche Nutzung von Grund und Boden war von je her eine bekannte und sehr erfolgreiche Methode, um der Gemeinschaft Zugang und Nutzung zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass das Land nicht „übernutzt“ wird. Über viele Jahrzehnte sind in unterschiedlichsten Teilen der Welt Landstriche von Gemeinschaften genutzt und gleichzeitig auch gepflegt worden (siehe auch unseren Artikel zu Allmende/Commons).

Erst mit der Durchsetzung des Eigentums an Grund und Boden ist diese gemeinschaftliche Nutzung verdrängt worden. Es gibt natürlich immer noch eine Reihe von EigentümerInnen, die ihre Grundstücke nutzen und pflegen, also sorgsam damit umgehen. Dazu gehören mit Sicherheit alle gemeinschaftlichen Projekte.

Wo seht ihr denn die Problematik, wenn die Nutzerin auch gleichzeitig die Eigentümerin ist?

Ein wesentliches Risiko des Eigentums ist die potentielle Möglichkeit des Verkaufs. Wir sprechen hier bewusst von der potentiellen Möglichkeit, weil wir nicht davon ausgehen, dass Gemeinschaften IHREN Grund verkaufen wollen – die Möglichkeit aber gibt es. Diese Möglichkeit kann durch Druck von Innen oder auch von Außen zu einer realen Möglichkeit werden, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind. So könnten beispielsweise die Gläubiger kommen und den Grund wollen. In den alten Gemeinschaften gab es diese Möglichkeit nicht. Der Grund war nicht im Eigentum, konnte also weder belastet noch verkauft werden.

RASENNA schaltet diese Möglichkeit mit der Rechtskonstruktion der gemeinnützigen Stiftung aus. Die Gemeinschaftsprojekte sind tatsächlich nicht EigentümerIn, es gibt also keine reale Möglichkeit des Verkaufs oder der Belehnung bzw. Belastung mit Krediten. Belehnt werden können nur die Gebäude auf dem Grundstück. Damit können keine Begehrlichkeiten für den Grund und Boden entstehen.

Nun könnte doch jedes Projekt seine eigene gemeinnützige Stiftung gründen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Jedoch ist die Gründung und der Betrieb einer gemeinnützigen Stiftung mit Aufwand verbunden. Auf viele Schultern aufgeteilt, ist es weitaus leichter und in sich selbst ein begleitendes generationsübergreifendes Projekt für Gemeinschaftsprojekte. Daher verstehen wir die gemeinnützige Stiftung RASENNA als Werkzeug, dass wir zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen wollen.

Ihr wollt also Projekte unterstützen – was ist euer Anliegen dahinter?

Uns geht es AUCH um das Sichtbarmachen nach außen. Es geht darum ein Signal zu setzen, über das eigene Projekt hinaus zu zeigen, dass es auch anders geht: Ohne Eigentum an Grund und Boden, ohne Rendite für Boden oder allfällige Spekulation mit einer Wertsteigerung. Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, dass dieses Signal über das eigene Projekte hinausgeht, dass es also so etwas wie eine gemeinsame Plattform gibt, die zeigt, dass Nutzung und Pflege von Grund und Boden eine gute Alternative zu Rendite und Spekulation sind. Denn Grund und Boden ist eine endliche Ressource – unsere Lebensgrundlage – und keine Ware für den freien Markt. Dieses Sichtbarmachen sehen wir für RASENNA als eine ganz wesentliche Aufgabe an. Diese Aufgabe kann RASENNA für alle besser erfüllen, als wenn jedes Projekt für sich Gemeinschaftseigentümer ist oder womöglich eine eigene projektbezogene Stiftung zur Absicherung gründet.

Was passiert denn, wenn sich die Nutzergruppe verändert oder gar auflöst?

Zu Beginn ist es wohl für die meisten unvorstellbar, dass sich die Projektgruppe auflösen könnte oder auch nur stark verändert. Daher ist das oft ein verdrängter und damit vernachlässigter Faktor und der Umgang damit trifft die Gruppe dann meist unvorbereitet.

Wenn im Laufe eines Projektes neue Mitglieder hinzukommen, frühere weiterziehen oder gar ein Generationswechsel eintritt, kann es passieren, dass die ursprünglichen Ideen aus dem Fokus geraten und Neues an deren Stelle tritt. Das kann durchaus gut sein und eine Befruchtung bringen, doch manche Werte wollen bewahrt bleiben und vor unbedachten Veränderungen geschützt sein. RASENNA kann die Bewahrung dieser Werte für Gruppen übernehmen, wie wir auch die Wahrung der Nutzungsidee der ursprünglichen EigentümerInnen übernehmen können. RASENNA versteht sich als Begleiterin, die für die erforderliche Kontinuität Sorge trägt. Und damit auch bei dem Wunsch nach Auflösung einer Gruppe eintritt und eine passende Nachfolgergruppe für die Nutzung des Grundstücks und dessen Pflege findet.

Wir bei RASENNA setzen all unsere Kenntnisse, Kompetenzen und Kontakte ein, um euch bei der Umsetzung eurer Ideen zu unterstützen, weil RASENNA davon überzeugt ist, dass der Weg zu einem sorgsamen Umgang mit Land nur über Gemeinschaften führen kann – zu einem Boden mit Zukunft.

In welchem Fall können Menschen euch mit ihren Ideen und Vorhaben anrufen?

Wir freuen uns über jeden Kontakt von Projektgruppen und GrundstückseigentümerInnen. Wir setzen uns gern mit dem jeweiligen Anliegen auseinander – unterstützend, begleitend und kooperierend – wenn es uns gemeinsam einem Boden mit Zukunft näher bringt.


Unser Zuständiger für Projektbegleitung, Hannes Žagar, freut sich darauf, von Dir und Deinem Projekt zu hören.

Sargfabrik

Ute Fragner und Robert Korab haben uns mit ihrem Verein für integrative Lebensgestaltung vertraut gemacht. Eine Reportage von Beatrice Stude.

In der Energie der Arena- und WUK-Besetzung, Hainburg und dem „Nein“ zu Zwentendorf begann ihre Utopie. Der Übergang aus der studentischen Wohngemeinschaft war Antrieb für die Suche nach einer passenden Lebensform. Doch die Frage nach dem idealen Lebensraum griff zu kurz. Der gesellschaftspolitische Antrieb integrativ leben zu können, war es der zehn Jahre Vorbereitungszeit durchhalten ließ. Heute nach 20 Jahren hat die Anerkennung über die Furcht gesiegt. Die Sargfabrik ist etabliert und weiter gesellschaftspolitisch engagiert. Sicher ist sie auch einer der Auslöser für die heutige Baugruppenvielfalt. Doch ist heute alles leichter geworden? 

Unser Vorhaben braucht viele Schultern – 100 Personen war die Zielgröße, die eine Kultur entstehen lassen, die auch wachsen, sich entwicklen und erhalten kann.“ Mit ihrem Verein für integrative Lebensgestaltung (VIL) wollten sie vor allem auch die Lebens- und Arbeitswelt wieder miteinander verbinden. Diese Idee konnte nicht in der damals visionierten Art (beispielsweise mit eigener Tischlerei) umgesetzt werden. Aber von einem reinen Wohnprojekt ist die Sargfabrik weit entfernt. Kindergarten, Badehaus mit Schwimmbad, sowie Kulturort und Treffpunkt: Die Sargfabrik bietet heute etwa 20 Arbeitsplätze. Auch wenn es sich dabei nicht immer um Vollzeitstellen handelt, ist die Bilanz bemerkenswert. Der Kindergarten hat 47 Plätze, ist dreisprachig – deutsch, türkisch und serbokroatisch – und versorgt das umliegende Grätzel. Dazu kommt ein Hort mit 14 Plätzen und angedacht ist eine Kleinkindergruppe (halbtags) mit 8 Plätzen. Das Lokal ist verpachtet und bietet als soziolökonomischer Betrieb weitere Arbeitsplätze für Menschen mit Problemen am Arbeitsmarkt, ihren TrainerInnen und AusbildnerInnen.

Die Sozialdemokratie hat in der Anfangsphase des Projekts sehr unterstützt. Der damalige Wohnbaustadtrat Rudolf Edlinger hatte kurzerhand bei der städtischen Zentralsparkasse ein gutes Wort für die Vergabe eines Kredites für den Grundstückskauf eingelegt. Die Konditionen waren so gut, wie sie für eine unbekannte Gruppe mit einer Vision sonst schwer gewesen wären. Doch für einen Bankkredit hätte es damals wahrscheinlich auch ohne Unterstützung der Stadt gereicht. Es war lange vor Basel II, vor der 2007 umgesetzten restriktiv vorgeschriebenen Absicherung durch Eigenkapital.

Die Gebäude selbst sind mit Mitteln der Wohnbauförderung Wiens errichtet worden. 

Heute steht die Förderung gemeinschaftlicher Baugruppenprojekte in der Kritik. Zurecht, da für Wohnheime die Einkommensgrenzen nicht gelten und damit die soziale Treffsicherheit der Förderung in Frage gestellt wird. Doch statt nun einfach keine Baugruppenprojekte mehr zu fördern, sollte die Förderung angepasst werden! Warum gemeinschaftliche Wohnprojekte stattdessen nicht als klassische Wohnprojekte errichtet werden, hat vor allem zwei Gründe, denn bautechnisch kommt die Errichtung finanziell kaum günstiger. Erstens: Die BewohnerInnen eines Wohnheims erhalten nicht dieselben Rechte wie MieterInnen nach dem Mietrechtsgesetz, das lässt den notwendigen Gestaltungsspielraum für die Gemeinschaft. Zweitens: Die weitaus geringere Pkw-Stellplatzverpflichtung schafft Raum und Geld für Gemeinschaftsnutzungen. In der Sargfabrik gibt es für 65 Wohnungen 7 Pkw-Stellplätze. Ein eigenes Auto besitzen auch heute nur etwa 1/3 der Haushalte in der Sargfabrik.

Gemeinwohltätigkeit und Belebung des Grätzels mit all seinen direkten und indirekten positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität aller – ist das nicht förderungswürdig? Auf jeden Fall und sollte es auch! Nur muss hier sauber getrennt und darf nicht alles mit der Wohnbauförderung vermischt werden. Eine Einkommensgrenze für die Wohnheimwidmung wäre sehr zu begrüßen und damit (wieder) sozial. Punkt. Darüber hinaus wäre eine Beschränkung der Wohnfläche pro Person sehr sinnvoll. Wenn es die Förderung vorschreibt, tut sich eine Gemeinschaft wie die Sargfabrik viel leichter darin, Menschen, deren Kinder ausgezogen sind, für kleinere Wohnungen im Projekt zu motivieren. Für die Einrichtungen des Gemeinwohls und der Belebung des Grätzels sollte es geeignete Förderungen geben – oder besser noch Steuerbegünstigungen. Letzteres macht unabhängig und Projekte besser planbar.

Was bleibt nach zwanzig Jahren? „Wir sind sicher konservativer geworden, aber die Grundideen haben Bestand.“ So liegt die Miete bei ca. neun Euro pro Quadratmeter – inklusive Heizung, Warmwasser, Telefongrundgebühr und Versicherung wohlgemerkt! Zehn Prozent der Mieteinnahmen subventionieren die Kultureinrichtungen, so wie es damals festgelegt wurde. Wer finanziell in Not gerät wird aus dem eigenen Sozialfonds unterstützt. Eine Einrichtung, die wohlweislich aufgrund der Rechtsform „Wohnheim“ vorgesehen wurde, da WohnheimbewohnerInnen keinen Anspruch auf Mietzinsbeihilfe von der Gemeinde Wien haben. So sorgt die Sargfabrikgemeinschaft für ihre Mitglieder, entlastet den Staat und trägt selbst ein stückweit zur Verteilungsgerechtigkeit bei. Selbstkritisch würden sie heute Folgendes anders machen: Beim Aufsetzen eines neuen Projektes würden sie die Finanzierungeinlagen nicht mehr wertsichern, da es den Einstieg für Neulinge ins Projekt erheblich verteuert. 

Heute leben ungefähr 250 Erwachsene inklusive Kindern und Jugendlichen in der Sargfabrik. Wie ist ein Verein mit einer solchen Mitgliederzahl entscheidungsfähig? Es gibt 110 ordentliche Vereinsmitglieder, das sind jene, die Einlagen in den Verein eingebracht haben, die mitentscheiden dürfen. Ziel ist nach wie vor der Konsens, wenn dieser nicht möglich ist, erfolgt die Entscheidung mit Zwei-Drittel-Mehrheit. Ideal ist das nicht, es hinterlässt Narben. 

Wenn alles so gut läuft und sich alle wohl fühlen, warum hat sich die Sargfabrik nicht vergrößert? Der Erfolg der Sargfabrik ist auch gleichzeitig ihr eigener Feind. Gentrifizierung, Verdrängungsprozesse zulasten finanzschwacher Bevölkerungsschichten wurden ausgelöst. Oder anders gesagt: Die Belebung des Grätzels hat die Grundstückspreise im Umfeld zusätzlich zu den generell steigenden Grundstückskosten in Wien steigen lassen. Andere Bauprojekte werben mittlerweile mit ihrer Sargfabriknähe und deren Einrichtungen für sich – unabgestimmt. Mit der „Miss Sarg“ gab es im Jahr 2000 eine Erweiterung. Doch es ist nicht so recht zusammengewachsen. Die Verbundenheit entsteht durch tägliche Nähe, die aber fehlt bei über 50 Metern Entfernung, zur zweiten Gemeinschaft, die in einem anderen Wohnblock lebt. So könnten Sargfabrik und Miss Sarg heute auch zwei Projekte sein, die sich derselben Sache verschrieben haben. Eine dritte Erweiterung wäre daher nur mehr im direkten Anschluss denkbar. Doch der Grund ist teuer. 

Die Idee, eine Erweiterung über den Bau von Eigentumswohnungen quer zu finanzieren, wurde schnell verworfen. Es wäre inkonsequent sich der Mechanismen des kapitalistischen Marktes zu bedienen, die sie selbst verurteilen.

Ein Fazit bleibt: Alles lässt sich lösen, nur der Zugang zu bezahlbaren Grundstücken nicht. Das ist die heutige Herausforderung für alle Projekte. Und aus diesem Grund begrüßt auch die Sargfabrik RASENNAs Initiative, ein Angebot zu schaffen um andere Wege zu gehen.


Link: Sargfabrik

Sinnstiftung_Maryon

In der Schweiz ist die Mitbestimmung der Zivilgesellschaft seit vielen Jahrzehnten tief in ihrem Selbstverständnis verankert. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Basler Bodeninitiative „Boden behalten und Basel gestalten“. Im Februar dieses Jahres stimmten 67 Prozent dafür, dass der Kanton Basel-Stadt eigene Liegenschaften nur bei finanzieller Not verkaufen und sonst nur im Baurecht vergeben darf. Damit sorgt der Kanton für kontinuierliche Einnahmen, ermöglicht langfristig günstigen Wohnraum und bewahrt Handlungsspielraum für künftige Generationen.

Die Stiftung Edith Maryon rief diese Initiative mit weiteren Unterstützern ins Leben und macht deutlich, dass sie auch in politischen und gesellschaftlichen Fragen mitmischt. Bereits vor 25 Jahren wurde sie von den Gründern Christoph Langscheid, John Ermel und Michael Riggenbach ins Leben gerufen wurde. Die Namensgebung erfolgte als Gedenken an die englische Künstlerin Edith Maryon, die der Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiners folgend, sich insbesondere für den sozialen Wohnbau in der Schweiz eingesetzt hat.

Seit einem Jahr hat die Stiftung Edith Maryon ihren Sitz in der Basler Innenstadt, im Unternehmen Mitte. Buntes Treiben im Café, das in das stattliche ehemalige Bankfoyer einen einladenden Charme bringt. Die Preise sind normal, das Besondere liegt darin, dass es keinen Konsumzwang gibt. Eine Bank gibt es noch im Gebäude, allerdings nur mehr im zweiten Stock, es ist die Freie Gemeinschaftsbank, mit der sich die Stiftung Edith Maryon Büroräumlichkeiten teilt. Das Unternehmen Mitte ist auch Dreh- und Angelpunkt der Initiative für bedingungsloses Grundeinkommen, über die das Schweizer Stimmvolk am 5. Juni entscheiden wird.

Im Jahr 1990 wurde die Stiftung Edith Maryon mit 12.000 Schweizerfranken ins Leben gerufen und hat infolge der Schweizer Tradition über Zustiftungen und Legate (Vererbungen von Immobilien) über die Grenzen des Kantons und der Schweiz hinaus Bekanntheit erlangt. Heute fungiert sie nahezu ausschließlich über Empfehlungen, muss aber viele Anfragen aus Kapazitätsgründen ablehnen. Die Stiftung Edith Maryon beschäftigt zehn MitarbeiterInnen und entwickelt selbst Immobilien, im Laufe ihres Bestehens wurde eine eigene Liegenschaftsverwaltung aufgebaut. Seit der Auflösung einer Kunststiftung, mit der die Übernahme des Unternehmen Mitte erfolgte, hat sich die Stiftung Edith Maryon auch der Unterstützung der Kultur verpflichtet.

Auch in Deutschland ist die Stiftung Edith Maryon seit Jahren tätig. Dort hat sie die Gründung der Stiftung trias (siehe auch folgenden Artikel) mit unterstützt und war Partnerin im ersten großen Projekt der Stiftung trias: ExRotaprint in Berlin – ein gemeinnütziges Projekt für Arbeit, Kunst und Soziales. Seither hat die Stiftung trias ihren Fokus auf gemeinschaftliche Wohnprojekte gelegt, während die Stiftung Edith Maryon in Deutschland auf linksalternative Projekte fokussiert, die oft einen Kunst-/Kulturschwerpunkt mit Wohnen verbinden, und auch Projekte etwa aus den Bereichen Landwirtschaft, Soziales und Bildung bei ihr Platz finden. Der Zugang bei der Umsetzung von Projekten ist jedoch bei beiden gleich. So verlangt auch Edith Maryon von den Projektgruppen, dass sie ein Drittel des Kapitals für das zu stiftende Grundstück selbst aufbringen. Der Baurechtszins bewegt sich zumeist zwischen vier bis fünf Prozent, was sich langfristig für die Projektgruppen als günstig und sinnvoll herausgestellt hat. Ein Vergleich mit den aktuellen Bankzinsen ist irreführend, da dieser nur eine Momentaufnahme ist, während die Projekte eine lange Laufzeit haben.

Die Stiftung Edith Maryon sieht sich als Projektpartnerin für all jene, die den sorgsamen Umgang mit Grund und Boden in den Mittelpunkt stellen. Dies ist Grundvoraussetzung für allenfalls erforderliche finanzielle Unterstützungen der Projekte. Weiters hat die Stiftung auch das Netzwerk Gemeingut Boden mitgegründet, ein informeller Austausch aller Initiativen, die sich dem sorgsamen Umgang mit Grund und Boden verpflichtet haben.

Das oberste Entscheidungsgremium der Stiftung Edith Maryon ist der 5-köpfige Stiftungsrat, der zweimal im Jahr tagt und die grundsätzlichen Fragen beantwortet. Drei Mitglieder dieses Stiftungsrates sind operativ im monatlich bis zweimonatlich tagenden Stiftungsratsausschuss tätig. Für inhaltliche Fragen steht der Stiftung ein Beirat aus ExpertInnen bei, eine Art Freundeskreis, dessen Mitglieder langjährig mit der Stiftung verbunden sind und diese unterstützend begleiten.

Ein Ziel der Stiftung Edith Maryon hat uns besonders beeindruckt, wir werden es für die künftige RASENNA Bundesstiftung übernehmen: Die Förderung des Austausches zwischen Stadt und Land. Konkret heißt dies, dass über CSA Community Supported Agriculture den Menschen wieder die Herkunft ihrer Lebensmittel und damit die Bedeutung des Bodens als Lebensgrundlage näher gebracht wird. Projekte wie der Weidenhof in Niedersachsen oder das 2013 gegründete Gut Oberhofen setzen diese Ziele als Stiftungsprojekte für Edith Maryon um.

Die Mentalitätsunterschiede sind augenfällig und durch den rechtlichen Rahmen gibt es einige Unterschiede, aber die Umsetzung von Projekten unterliegt denselben Grundsätzen. Daher freuen wir uns auf einen künftig regen Austausch, um durch den großen Erfahrungsschatz der Stiftung Edith Maryon viel für Österreich mitnehmen zu können.

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Zusammen! – Das RASENNA Netzwerk möchte unser aller Arbeit weiterbringen. Kommt zum Jahrestreffen, feiert mit uns, lernt unsere Vision und Projekte kennen! Wo seht Ihr Euch? Am 27. April gibt es viele Gelegenheiten für frühlingshafte Begegnungen.

Wir freuen uns sehr Frau Dr. Winiwarter als Vortragende für unser Jahrestreffen ankündigen zu dürfen! Ihres Zeichens Professorin für Umweltgeschichte am Institut für Soziale Ökologie in Wien, wird sie uns insbesondere an Ihrem Wissen über Agrargesellschaften und deren Böden teilhaben lassen. Sie ist auch Herausgeberin der Zeitschrift GAIA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft.

Außerdem freuen wir uns auf die Teilnahme Ernst Reepmakers als einer der Initiatoren des Centrums für Dramaturgische Studien Wien (CDS) – dieses möchte gemeinsam mit RASENNA die Vision eines Kulturortes auf dem Gelände des Hauptbahnhofs (alte Auswandererhalle) umsetzen und einen Ort, eine bezahlbare Plattform für professionelle, disziplinübergreifende und unabhängige Kulturarbeit schaffen, der auf das neue Stadtentwicklungsgebiet ausstrahlt und verbindet.

Mehr noch, wir freuen uns auf die künftige Projektvielfalt und auf die Teilnahme von Friedrich Leitgeb als einem der Mitglieder des Hofkollektivs Wieserhoisl – dieses möchte gemeinsam mit RASENNA die Vision einer kollektiven biologischen Landwirtschaft in Deutschlandsberg langfristig absichern.

Darüber hinaus stellen wir euch den Entwurf zur Gründungserklärung RASENNA mit Stiftungsorganigramm vor.

Nicht zuletzt freuen wir uns aber insbesondere auf Euch – bekannte und noch unbekannte Gesichter – die ihr Euch über den Stand der Dinge bei RASENNA informieren beziehungsweise mit eigenen Ideen und Initiativen anknüpfen möchtet!

Wir bitten Euch um eine kurze Anmeldung per E-Mail!

Wann: Mittwoch, 27. April 2016, Beginn 18:00 Uhr

Wo: Wohnprojekt Wien, Krakauer Straße 19, am Rudolf-Bednar-Park, 1020 Wien

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Vor kurzem gab es wieder ein agrarpolitisches Wochenende mit vielen spannenden Initiativen und engagierten Menschen. Auch RASENNA war mit von der Partie! Die ÖBV Via Campesina hat dazu in Zusammenarbeit mit FIAN nach Schlierbach eingeladen. Im Mittelpunkt stand das Thema „Zugang zu Land“ – das gleichsam wichtig ist für Bauern und Bäuerinnen sowie für jene, die es werden wollen. Es sind vor allem kleine Betriebe unter 5 Hektar, die die Stalltür für immer zusperren.

Das Weichen der Kleinen bedingt das Wachsen der Großen, wodurch es zu Landkonzentration kommt. Phänomene wie Landgrabbing gibt es nicht nur in Ländern des globalen Süden, sondern spielt sich auch innerhalb Österreichs und unter massiver Beteiligung österreichischer Investoren in europäischen Nachbarländern ab. Die Spekulation mit Land treibt die Bodenpreise in die Höhe. Das erschwert die Bedingungen für NeueinsteigerInnen, einen Betrieb aufzubauen und für kleine Betriebe, ihre Pachtflächen zu behalten und Investitionen zu tätigen. In ganz Österreich sprießen Initiativen aus dem Boden, die nach Lösungen suchen, um den Zugang zu Landwirtschaft und Wohnraum zugänglich zu halten. Zum Beispiel NEL, HabiTAT und Bodenfreiheit.

RASENNA ist eine von Vielen! Im Herbst soll es eine weitere Veranstaltung zu diesen Themen geben. Haltet euch auf dem Laufenden, mischt euch ein und macht mit!

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Ein traumhafter Blick über Linz und doch so in der Natur. Stefans Hof liegt am Hügel über Linz im Grüngürtel, den auch Stadtplanung und Politik in absehbarer Zeit nicht in einen Speckgürtel umwandeln wollen. Der Hof, erstmals 1417 urkundlich erwähnt, gehört ihm zur Hälfte, die andere Hälfte nutzen drei Parteien, die teils dort leben, teils es nur als Wochenendbleibe nutzen.

Die Türen verraten anspruchsvolle Handwerkskunst, und als wir die Tischlerwerkstatt betreten haben wir die Erklärung. Wenig Maschinen, viel Handarbeit – eine Kunst eben, die heut immer mehr verloren geht. „Es gibt vieles was erhalten werden sollte, da es uns sonst unwiderbringlich verloren geht.“ So unterstützt Stefan auch die Samenbankerhaltung der Arche Noah. Letztes Jahr waren es vor allem Tomaten, Bohnen und Mais, die er angebaut hat. Die Samen gibt es kostenlos unter der Bedingung, dass man ein bestimmtes Kontingent an Samen zurück gibt. Was bleibt ist leckeres Gemüse zur Selbstversorgung. Dazu hat er noch vier Schafe. Die 40 Hendln musste er leider aufgeben, da die Arbeit für ihn allein einfach zuviel war.

Zwei Tage in der Woche arbeitet Stefan auswärts und hilft bei Wohnungsräumungen mit – weil es Spaß macht. Das ein oder andere Stück findet dann auch seinen Platz in die Wohnräume des Hofes, die neu hergerichtet werden. Stefan möchte ein Konzept entwickeln und gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas aufbauen. „Temporär hab ich immer wieder Unterstützung von Woofern und anderen Helfern, aber eine langfristige und verbindlichere Gemeinschaft wäre mir viel lieber.“ Zu einem anderen Projekt gehen möchte er im Moment nicht, da er nach 30 Jahren hier schon recht verwurzelt ist.

Für eine weitgehende Selbstversorgung bräuchte es mehr Land, als seinen halben Hektar. Auf den Nachbarliegenschaften standen einmal 400 Obstbäume mit alten Sorten. Heute sind es nur mehr ein Drittel. Ein Großteil musste der maschinellen Bewirtschaftung des Nachbarn weichen. Auf den 3.000 m2 die Stefan erwerben konnte wachsen nun (wieder) seltene Obstsorten, wie zum Beispiel die Schweizer Hosenbirne, die dreifärbig gestreift ist. Mit der zusätzlichen Kraft von weiteren Menschen hofft er, noch mehr Grund erwerben und bewirtschaften zu können.

Über Stefan haben wir auch die Gemeinschaft miteinander Leben – Piesingmühle kennenlernen dürfen. Durch sie hat er die zwei Rechtsformen Verein und Stiftung für die Eigentümerschaft recht direkt miterlebt. Zumindest gegenüber der projekteigenen Stiftung hegt er daher eine gewisse Skepsis, da diese im konkreten Fall zu starr und vor allem auch im Hinblick auf die Stiftungsorgane nicht gut aufgesetzt war.

Die Zukunft ist offen, doch eines steht umumstößlich für ihn fest: „Egal wie es kommt, vererben werde ich es nicht!“

Wer selbst gern im Raum Linz in einem landwirtschaftlichen Gemeinschaftsprojekt mitarbeiten, mitgestalten und mit Stefan in Kontakt treten möchte, meldet sich bitte bei uns unter info@rasenna.at.

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Bald sind es 14 Jahre und der Geburtstag ist wahrlich ein Grund zum Feiern, denn die Initiatoren der Stiftung trias in Deutschland sind Pioniere gewesen, weil sie eine Idee absichern helfen und weitertragen. Eine Idee der sich mittlerweile 30 Projekte angeschlossen und ihren Grund und Boden in die Stiftung eingebracht haben.

Um die 2000er Jahre stand die Fragestellung nach der Sicherung ideeller Zwecke im Raum, Anthroposophen fragten nach einem Bodenträger. Die vier Hauptinitiatoren um Gerda Helbig, Anne Dellgrün, Wolfgang Kiehle und Rolf Novy-Huy fanden die Lösung und gründeten im März 2002 die gemeinnützige Stiftung trias. Die damals erforderlichen etwas über 70.000 DM wurden im Bekanntenkreis und Netzwerk eingesammelt. Daher ist für trias auch der Name Bürgerstiftung naheliegend. Das erste Projekt kam kurze Zeit darauf als Zustiftung in die Stiftung. trias ist in vielerlei Hinsicht keine herkömmliche Stiftung, da im Mittelpunkt die Idee steht. Die Idee neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens zu leben und den geeigneten Rechtsrahmen hierfür anbieten zu können. Da gemeinschaftliches Wohnen der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, leistet die Stiftung trias Bildungsarbeit als integralen Bestandteil ihrer Tätigkeit. Ihre Broschüren sind mittlerweile sehr gefragt, sodass bereits Exemplare ihren Weg in die Nationalbibliothek gefunden haben. Der Erfolg ließ sie dennoch am Konzept des Eigenvertriebes mit Unkostenpauschale festhalten, statt auf die Verlagsschiene zu wechseln.

Neben der Bildung und der Absicherung der ideellen Zwecke als Verwalterin der Grundstücke für Projektgruppen war bereits in der Gründung der Aufbau des Wohnprojekteportals ein wichtiges Ziel. Heute ist dieses Portal deutschlandweit die führende Plattform. Einerseits vernetzt es Projektinitiatorinnen und -initiatoren mit jenen, die Projekte suchen, sowie jenen die Projektgruppen professionell begleiten können. Andererseits ist das Portal auch Informationsgeber, so sind dort auch viele Fördermöglichkeiten zu finden, die kommunal sehr unterschiedlich ausfallen können. Daher lebt das Wohnprojekteportal insbesondere von den Rückmeldungen der Aktiven und der Weiterleitung von Informationen an die Stiftung trias.

Was macht die Stiftung trias aus? Mit einem gewissen Maß an Finanzmitteln, mit viel Erfahrung und angehäuftem Wissen und nicht zuletzt als bekannter zuverlässiger Partner ist sie heute die Ansprechpartnerin für gemeinschaftliche Wohnprojekte. „Wir sind nicht dazu da, noch ein weiteres Projekt in die Welt zu stellen, sondern die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens und was es dazu braucht – die Rahmenbedingungen – zu informieren und diese zu verbessern.“ Ungeachtet dessen ist sich die Stiftung trias heute durchaus bewußt, dass sie mittlerweile als Türöffner für Projekte fungiert, und Projektgruppen und Entscheidungsträger leichter zueinander finden lässt. Soweit es sich um Projekte handelt, die sich mit der Stiftung trias über Grundstücke verbinden, verlangt die Stiftung trias ab einer gewissen Größe eine professionelle Begleitung der Projektgruppen. Denn Verantwortung verpflichtet, und die Idee und Stiftung, die diese trägt, darf nicht gefährdet werden. Die Finanzierungsmodelle sind individuell. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass eine Drittelung der Last angestrebt wird. So ist ein Drittel aus Eigenmitteln aufzustellen, ein Drittel aus Zustiftungen oder Darlehen und das dritte Drittel kann als Fremdfinanzierung über die Stiftung laufen und wird mit dem Erbbaurechtszins abbezahlt. Für die Fremdfinanzierung kann trias zum großen Teil auch private Gläubiger gewinnen. Ist die Finanzierung, nach zum Beispiel 30 Jahren, ausbezahlt, läuft der Erbbauzins (die deutsche Bezeichnung für Baurechtszins) zumeist in Höhe von vier Prozent weiter. Das hierdurch angesparte Geld dient dem Stiftungszwecks, der Unterstützung künftiger Projekte. Das Erbbaurecht wurde in Deutschland 1919 ins Leben gerufen, somit ein sozialistisches Recht, das die lauten Abschaffungsrufe der Ära Ludwig Erhard überstand. Ein sozialistisches Recht also, dass heute wieder für das Gemeinwohl eingesetzt wird. In Österreich wurde das Baurecht bereits 1912 mit dem Baurechtsgesetz BauRG, also noch zu Kaiserzeiten installiert.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Stiftung trias wissen Vorstandsmitglied Lisa Hugger und Geschäftsführer Rolf Novy-Huy, dass sich auch eine Stiftung weiterentwickelt. Die damals mit vielen Stifterinnen und Stiftern ins Leben gerufene Stiftung, hat heute einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit zwei Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeitern in Teilzeit, einen ehrenamtlichen dreiköpfigen Vorstand und ein neunköpfiges Kuratorium. Letzteres ist mit erfahrenen Projektvertretern besetzt, dazu fachliche Expertinnen und Experten, allesamt gut verteilt über das deutsche Bundesgebiet. Dieses Kuratorium ist das Aufsichtsorgan der Stiftung. Eine künftige Verteilung der Geschäftsführung auf mehrere Personen wäre erstrebenswert. Auch die Stifterinnen und Stifter und die Projektgruppen könnten künftig ein Angebot zur Mitgestaltung in der Stiftung erhalten, etwas was zur Zeit der Stiftungsgründung einfach nicht im Raum stand.

Es war nicht das erste Gespräch mit der Stiftung trias, wir freuen uns auf die künftig engere Kooperation und arbeiten daran sie dieses Jahr in Österreich zum Gründungsfest unserer RASENNA Stiftung begrüßen zu dürfen.

Boden1

Die Allmende ist eine Rechtsform gemeinschaftlichen Eigentums. Die Begriffe Allmende, Commons, Gemeineigentum oder Gemeingut mit Ausschließbarkeitsfunktion definieren Güter, die von einer Gemeinschaft verwaltet und genutzt werden.
Die Stiftung RASENNA ist zwar Eigentümerin von Grund und Boden, hat aber selbst keine EigentümerInnen. Die Stiftung RASENNA würde an die Stelle der Eigentümerin treten und mit Baurechts- und Pachtvertrag einer Personengruppe die eigenverantwortliche Gestaltung sichern. Somit wird der Grund und Boden der Stiftung zur Allmende.

Im Jahr 2009 erhielt Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis für die Widerlegung der Theorie eines egoistischen, alle Gemeingüter zerstörenden homo oeconomicus: Ostrom konnte zeigen, dass Allmenden oder Commons nicht einfach Dinge, sondern menschliche Regelwerke sind, die durch Kommunikation entstehen. Menschen kommunizieren miteinander über die Nutzung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, um sie zu erhalten. Die komplexe menschliche Gesellschaft selbst konnte nur aus dieser Fähigkeit heraus entstehen. (Helfrich 2012: 159)

Niemand kann mir verbieten, unendlich viel Luft zu verbrauchen. Die Luft ist ein Gemeingut mit dem Charakter der Nicht-Ausschließbarkeit, ein reines öffentliches Gut. Mit Land verhält es sich anders, denn Land kann aufgeteilt, parzelliert und eingezäunt werden, kann also als Privateigentum oder als Gemeineigentum verwaltet werden. Ein solches Gemeingut mit Ausschließbarkeit wird auch als Allmende oder Commons bezeichnet. Es „gehört“ einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam über den Umgang mit ihrem Gut entscheiden. Treten Probleme der Übernutzung oder Verschmutzung auf, wird seit dem Klassiker „Die Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin die Privatisierung empfohlen. Dass diese neoliberale Folgerung angesichts massiver Umweltprobleme nicht mehr ganz so schlüssig klingt, wirft die Frage nach Alternativen auf.

Die Allmende ist eben kein rechtsfreier Raum ohne Regeln, in den jedeR eintreten darf. Wird Land als Allmende verwaltet, wird seine Nutzung eher nach dem Wohl der gesamten beteiligten Gemeinschaft und nicht nach der effizientesten Generierung von Profit ausgerichtet. Der Zugang zu Land wurde immer schon geregelt, nur die Rechtsformen haben sich im Laufe der Zeit verändert. Große Landflächen wurden bis zur Einhegungsbewegung ab dem 17. Jahrhundert in Europa oft als Allmende verwaltet. Nach der Untersuchung jahrhundertealter sowie neuer Allmenden konnte Ostrom einige Prinzipien funktionierender Allmende-Institutionen ableiten (Exner 2012: 28):

  1. Klar definierte Grenzen der Nutzungsberechtigten und der Ressource
  2. Die Bereitstellungs- und Aneignungsregeln müssen lokalen Bedingungen angepasst sein
  3. Instrumente für kollektive Entscheidungen – die meisten Personen, die von den Regeln betroffen sind, können über deren Änderung mitbestimmen.
  4. Überwachung durch die AneignerInnen selbst oder durch von diesen bevollmächtigte Personen
  5. Abgestufte Sanktionen, die durch die Gruppe oder bevollmächtigte Personen vollzogen werden
  6. Konfliktlösungsmechanismen mit raschem und kostengünstigem Zugang
  7. Minimale Anerkennung des Organisationsrechtes – die Allmende wird von den staatlichen Behörden respektiert

Sind mehrere AkteurInnen an der Verwaltung einer Ressource beteiligt, dann werden kollektive Interessen eher berücksichtigt, weil unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Kurzfristige Profitinteressen würden wenig Sinn machen, wenn die Ausbeutung einer begrenzten Fläche von Grund und Boden die Zerstörung der eigenen Existenzgrundlage bedeutet. Nur in einer Verwertungslogik, in der alle Lebensbereiche zu Waren degradiert werden, kann die Zerstörung der Umwelt als effizient gelten. Ressourcen gemeinsam als Allmende zu verwalten könnte Prinzipien wie Verantwortung für und Rücksicht gegenüber so wichtigen Ressourcen wie Grund und Boden wiederbeleben.

 


 

Zum Nachlesen:

Helfrich, Silke und Heinrich-Böll-Stiftung (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Transcript Verlag, Bielefeld

Exner, Andreas/Kratzwald, Brigitte (2012): Solidarische Ökonomie und Commons. Reihe kritik und utopie, Mandelbaum Verlag, Wien

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Nach einer Ruhepause im Sommer haben wir uns zwei Tage aus dem Alltag heraus genommen und im Landhotel Yspertal am 5. und 6. Oktober Klausur gesessen.

In Workshops haben wir unsere Umsetzungsstrategie erarbeitet, Arbeitskreise gebildet und die zugehörigen Verantwortlichkeiten aufgeteilt. Und natürlich unsere zwei neuen Mitstreiter*innen Margit Fischer und Paul Lauer willkommen geheißen und gleich eingebunden.

Jetzt sind wir zu sechst und starten durch!

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Am 24. März 2015 haben wir RASENNA der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Amerlinghaus in Wien Neubau bot den passenden Rahmen für diese erste Zusammenfassung unserer Arbeit. Alles wesentlichen Informationen sind nun präsentiert – Jahresrückblick, Jahresvorausschau und ein erstes Konzept für das Stiftungsorganigramm.

Wir danken allen, die sich Zeit genommen haben, mit uns diskutiert und damit die Idee weiter entwickelt haben. Unsere Arbeit erfährt dadurch wesentliche Impulse!